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Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums · 1862-01-01 · Heft 1 · page 80

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Journal
Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
Volume
1862
Issue
Heft 1
Date
1862-01-01
Page
– (sequence 80)
Language
German
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80 beseelte Ansaldo die Hoffnung, dem Ziele seiner Wünsche näher zu kommen. Er betrachtete die Bekehrung Sara's, dieser gefeierten Jüdin, als eine Ehre für das Christenthum, so daß er selbst eine angesehene fromme Dame aus Genua ihre Gebete mit den seinigen vereinigen ließ, um den Himmel noch dringender um die Gewährung ihrer gemeinsamen Bitten anzugehen. Auch glaubte er aus den zärtlichen Briefen Sara's die Erfüllung seiner Hoffnungen bereits näher gerückt. Sie versicherte ihm oft, daß es ein Glück für sie wäre, für die Verlängerung der Tage ihres Freundes sterben zu können, sie drang so sehr mit Bitten in ihn, ihr doch sein Portrait zu schicken, daß er sie bereits ganz für seinen Glauben gewonnen glaubte. Er vermied daher auch allen Religionsstreit, den siegreich zu führen sie so große Meisterin war, sondern suchte vorzüglich auf das Gemüth und die Phantasie Sara's einzuwirken. Und als endlich sein Portrait vollendet war, dichtete er für sie eine Ode voll schwärmerischer Begeisterung und sandte beide, begleitet von einem innigen Briefe, den er aber wegen allzugroßer Schwäche durch einen Andern hatte schreiben lassen müssen, an die theure Freundin. Er hatte ihr seine traurige Lage nicht darin verschwiegen, schilderte ihr die Abnahme seiner Kräfte und wie es ihm glücklich machen würde, wenn sie in den letzten Tagen seines irdischen Daseins das Geschenk seines Glaubens annehmen würde. Das war wiederum eine vergebliche Hoffnung, wenn auch in ihrer Antwort eine ungeheuchelte Freude über das Geschenk des Bildes sich aussprach, und als sie unter andern überschwenglichen Zärtlichkeitsäußerungen ihn „ihre Sonne" (mio sole) nannte, antwortete er: „Bedenken Sie, daß für mich meine Sonne dem Untergänge nahe ist und suchen Sie, ehe sie verschwindet, um nimmer zurückzukehren, eine andere, die im ewigen Glänze strahlt." Man muß in der That die Festigkeit Sara's, wenn auch nicht bewundern, doch anerkennen, wenn sie den hinfälligen, dem Tode nahe stehenden verehrten Freund so hilflos hinsiechen lassen mußte; selbst seine flehentliche Bitte, das kurze Gebet: „Heilige Maria, bitte für wich," zu beten, wies sie von sich; selbst wenn sie, wie Ansaldo

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