Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1862
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1862-01-01
- Page
- – (sequence 77)
- Language
- German
- Belongs to
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77 zum Christenthum war bei ihm bald zur Leidenschaft geworden und diese Leidenschaft erfüllte ihn ganz und gar in den letzten Jahren seines Lebens. Schon nachdem einige Briefe zwischen ihm und Sara gewechselt worden waren, glaubte er dem Ziele seiner Wünsche bereits näher gekommen zu sein. Er hatte es durch Bitten von ihr erlangt, daß sie das neue Testament lese. Jedoch verfehlte diese Lektüre, nicht minder, wie die von ihm empfohlenen Werke Ludwigs von Granada, die beabsichtigte Wirkung. Indessen entmuthigte ihn nicht dieser geringe Erfolg. Je mehr seine körperliche Schwäche Zunahm, und mit ihr die Angst, auch im Himmel von der getrennt sein zu müssen, die hier von Angesicht zu Angesicht Zu sehen ihm unmöglich war, und die-er doch so sehr hoch achten mußte, und um so mehr wuchs sein Eifer für die Bekehrung Sara's. Auch konnte er nicht dem Dränge widerstehen, die merkwürdige Jüdin, die-mit eigenen Augen zu schauen er sich versagen mußte, durch das Auge seines treuen alten Dieners Marco, der von Jugend auf um seine Person war und vor dem er die innersten Gefühle seines Herzens Zu offenbaren keinen Anstand nahm, sehen zu lasten. Diesen also schickte er zur Faschingszeit des Jahres 1619 mit schönen Früchten aus Genua, nebst einem spanischen Buche und einer Ode, die in poetischer Form das uns bereits bekannte Thema variirte. Ganz begeistert war der Diener zu seinem Herrn zurückgekehrt; er hatte die freundlichste Aufnahme gesunden, und war höchst freigebig beschenkt worden. Er konnte nicht Worte genug finden, um die Schönheit Sara's zu schildern und den Zauber ihrer Stimme, mit der sie einzelne Strophen des Epos Esther recitirte oder sang. Bei dem Herrn jedoch machte diese Schilderung den entgegengesetzten Eindruck, anstatt sich durch sie geschmeichelt zu fühlen, empfand er den tiefsten Kummer, daß er dem Ziele seiner Wünsche noch immer so fern stand. Denn wenn auch die Briefe Sara's nach dieser liebevollen Aufmersamkeit von Dank übersttömten, so enthielten doch ihre Worte in Prosa und Poesie nichts, das ihn in seinen Bemühungen um ihr Seelenheil hätte ermuthigen können. Konnte sie doch in schönen Versen ihn so liebevoll über den Verlust seines