Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1862
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1862-01-01
- Page
- – (sequence 78)
- Language
- German
- Belongs to
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78 tapfern Bruders, der sein Leben im Kriege gegen die Türken beschlossen, trösten, so ächt menschlich mit ihm fühlen und doch so fem seinem Glauben sein. Je mehr aber die Theilnahme für Sara. wuchs, je mehr beängstigte ihn die Abnahme seiner'Kräfte, durch den Gedanken, daß er aus dem Leben scheiden müsse, ohne sein. sehnsüchtiges Hoffen mit Erfolg gekrönt zu sehen. Er nahm also zum Gebete seine Zuflucht, und betete für ihre Bekehrung. Sara hatte ihm wohl gestattet, dergleichen Gebete auszusprechen, wenn sie ihm Trost gewährten, doch nur unter der Bedingung, daß auch sie zu ihrem Gotte flehen dürfte, daß Ansaldo Jude werden möchte. Liest man die Gründe, welche Sara für das Festhalten an ihrenr Glauben vorbrachte, so muß man eben so sehr ihre Geistesschärfe, wie ihre Belesenheit in unseren Religionsquellen, als auch in den Werken profaner Schriftsteller, besonders Aristoteles, bewundern. Bei aller Zartheit, der sich beide Theile bei einer solchen Correspondenz befleißigten, konnte es dennoch nicht fehlen, daß doch manches harte Wort mit unterlief. So glaubte sich Sara einst verletzt, weil sie eine Stelle in Ceba's Briefe dahin deuten mußte, daß dieser nicht schuldige Hochachtung vor Mose, dem Gesetzgeber Israels an den Tag lege, und auf ihre gedrückten Brüder all zu vornehm herabsehe. Sie verbot ihm daher, in Zukunft für sie zu beten. Diese Vorwürfe weiß Ansaldo jedoch von sich abzuwälzen, er versichert ihr seine Hochachtung vor dem jüdischen Gesetzgeber und seinen Abscheu vor den Plackereien und Zurücksetzungen, welche die Juden noch immer erführen. Doch fühlt er sich am Ende selbst zu schwach, um die Qual um das Seelenheil Sara's länger zu ertragen. Alle Zärtlichkeit und Hingebung faßt er nunmehr in seinen Briefen zusammen um sie zu bekehren. Unter diesen Briefen führen wir einen an, der, wie er glaubt, sein letzter sein werde. Hier heißt es: „Sie sind bis zur Leidenschaft für das Studium der Philosophen und Dichter eingenommen, und doch ist dies Alles eitel,, ausgenommen Gott lieben und an ihn zu glauben. O wüßten Sie, wie viele Gebete für Sie verrichtet worden, während der Passions-