Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1862
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1862-01-01
- Page
- – (sequence 74)
- Language
- German
- Belongs to
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74 allein 90 Werke nicht jüdischer Gelehrten an, die er benutzt hat — und das Aufgenommene mit sichtender Kritik verarbeitete und mit Klarheit wiederzugeben verstand. Auch der Brüder Provenzale sei hier mit Lob erwähnt, sowie Jehuda's, Sohnes Jsaks aus Sommi (Jehuda de' Sommi). Er war in der Hälfte des gedachten 16. Jahrhunderts zu Ferrara geboren und dann in Mantua heimisch. Er besaß einen reichen Schatz rabbinischer und biblischer Kenntnisse, war sehr bewandert in der italienischen Literatur, dichtete in italienischer Sprache Sonette und schrieb vier Dialoge über das Dramas. Doch wollen Sie noch näher die geisüge Atmosphäre kennen lernen, in welcher unsere Heldin Sara Copia Sullam die ersten Jahre ihres Lebens zubrachte, 'die Zeit, in welcher das Gemüth am empfänglichsten ist, Eindrücke von Andern aufzunehmen, so nenne ich Ihnen den Rabbiner der venetianischen Gemeinde, den berühmten Leon da Modena, geboren daselbst 1571 und gestorben 1648. Er hatte von ftüher Jugend dort das geistliche Amt bis zu seinem Tode bekleidet. War er schon als dreijähriges Kind im Stande, öffentlich den Wochenabschnitt aus den 5 Büchern Mosis nebst dem Maphtir (Prophetenabschnitt) vorzutragen, und, wie er selbst erzählt, Gott und den Werth der Wissenschaft zu erkennen, so behielt er seine Geistesfrische bis zum letzten Athemzuge. Von der Fülle seines Wissens und seines Freimuthes zeugen seine zahlreichen Schriften ^). Eine Gemeinde, die einen solchen Rabbiner zum Führer sich gewählt und unausgesetzt in Ehren hielt, hat dadurch das beredtste Zeugniß für die hohe Stufe ihrer Bildung abgelegt. Und unsere Sarah war keine geringe Zierde dieser Zeit und dieser Gemeinde. Ihr Vater Simon besaß keine gewöhnliche Bildung, und da er keinen Sohn hatte, so verwendete er alle Liebe und Sorgfalt auf die Erziehung seiner vielleicht einzigen Tochter Sara. Diese belohnte auch in reichem Maße seine väterlichen Bemühungen. Ihre raschen Fortschritte gingen über die Erwartungen, welche man von ihren trefflichen Anlagen sich versprechen durfte. Frühzeitig schon hatte sie eine innige Bekanntschaft mit der heiligen Schrift in der Ursprache sich erworben, sie verstand Lateinisch, Griechisch und Spanisch, und