Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1862
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1862-01-01
- Page
- – (sequence 73)
- Language
- German
- Belongs to
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-73 worden, einen neuen Aufschwung. Wie einst die Vorsehung die Zerstörung des Tempels zu Jerusalem, und die Zerstreuung des Volkes Israel in alle Weltgegenden zur Vollführung hoher Zwecke: den Glauben an den einigen heiligen Gott all überall zu verbreiten, verhängt zu haben schien, ebenso war die Vertteibung der Juden aus Spanien aus einem Fluche, wie die verblendeten Verfolger der Juden jenes Ereigniß, als ein längst von dem Süfter ihres Glaubens voraus verkündetes, dem grausamen Ferdinand und der fanatischen Jsabella darstellten, zum Segen von Gott umgewandelt worden. Ja, ja, die Geschichte Bileams kehrt noch recht oft in den Glaubenskämpfern Israels wieder! Die edelsten Früchte, die jahrhundertelanges Mühen und Ringen unter dem gesegneten milden Himmel arabischer Bildung und Duldung gezeitigt hatten, brachten, die Neuangekommenen Fremdlinge ihren jüdischen Brüdern. Für die ihnen gereichten erquickenden Gaben erhielten sie zum Ersatz die nicht minder schätzenswerthen Erzeugnisse ihres Geistes. Dieser Austausch der geisttgen Produkte wirkt nicht minder segensvoll im Bereiche der Wissenschaft und Kunst, wie der der materiellen Erzeugnisse für Handel und Verkehr. Mit der Lebendigkeit ihres südlichen Naturells hatten die Spanier sich so schnell in die italienische Literatur hineingelebt, daß z. B. schon 1567 ein Salomo Usque eine spanische Übersetzung von Petrarcas Dichtungen zu Venedig ans Licht treten ließ, ebenderselbe, welcher ein selbstständiges Drama Esther, in spanischer Sprache geschrieben hat2). Ein Arzt, Jakob Usiel aus Spanien schrieb in Venedig 1624 ein Heldengedicht, David, in 12 Gesängen in der Sprache seiner Heimath^). Soll ich Ihnen nun, meine Verehrten, erst die italienischen Juden aufzählen, welche in dieser Zeit höchst schätzenswerthe Werke nicht mtr in hebräischer, sondern auch in der heimathlichen Sprache abgefaßt haben, ich müßte fürchten Ihre Geduld zu ermüden. Mit einem Worte: Das 16. Jahrhundert war der Glanzpunkt der Wissenschaft im weitesten Umfange für die Juden Italiens. Ich nenne Ihnen nur aus dem genannten Jahrhundert einen Asar ja de Rossi^ der einen ganzen Bücherschatz in sich aufgenommen — er führt