Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1862
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1862-01-01
- Page
- – (sequence 71)
- Language
- German
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71 mb sie haben nicht wenig dazu beigetragen, die Republik in Flor zu bringen, deren Höhepunkt sie am Ende des 15. Jahrhunderts erreichte. Ein umfangreicher Länderbesitz in Italien selbst und am ägäischen und mittelländischen Meere brachte der Hauptstadt große Reichthümer, nicht minder der ausgedehnte überseeische Handel, welchen eine starke Flotte beschützte. Ihre Staatsform wird später von einem Ätacchiavell allen Ländern empfohlen, und ihre klugen Staatsmänner allen zum Muster aufgestellt. Kunst und Wiflenschaften standen damals in höchster Blüthe und die Juden nahmen, wenn auch mancher Beschränkung unterworfen, nach Kräften an denselben Theil. Da entdeckte der Portugise Basco de Gama 1498 den Seeweg nach Osündien, die Osmannen eroberten Constanünopel und die Blüthe der Republik, die ohnehin durch Sittenverderbniß den Keim der Fäulniß in sich trug, schwand allmälig dahin. Dazu kamen im Anfang des 16. Jahrhunderts die Intriguen eines Pabstes Julius II. und Ludwig XII. durch die Stiftung der Ligue von Cambray, welche der Republik den Garaus zu machen drohten, während die Türken ihr auch den ausländischen Länderbesitz zu schmälern fortfuhren. Doch erholte sich Venedig noch einmal durch kluges politisches Verhallen und nachdem der große Seesieg über die Türken bei Lepanto 1571 errungen worden, athmete es wieder auf. Hatten die Juden, während der Verlegenheit des Staates, durch ihre Schätze, welche sie ihm leihweise vorschosien, zu seinem neuen Aufschwünge wesentlich beigetragen — führten sie doch allein durch Steuern ihm jährlich 30,000 Dukaten zu und beschäftigten 4000 Handwerker — so bot doch gerade die nunmehr eingetretene Ruhe der Geistlichkeit- und neidischen Kaufleuten die beste Muße, beim hohen Rathe den Anstoß zu geben, durch Vertteibung der Juden des Dankes überhoben zu sein, oder beschwerlicher Concurrenten sich zu entledigen. Bereits war die Vertteibung dem päbstlichen Nunüus nach der genannten Schlacht 1571 schon in nächste Aussicht gestellt worden, als ein Jahr darauf der Antrag im Senate fiel, und nur die Concession den Gegnern der Juden gemacht wurde, daß diese in ein neues Ghetto eingeschlossen und ein beson-