Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1862
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1862-01-01
- Page
- – (sequence 60)
- Language
- German
- Belongs to
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59 ihn zu ihrem Vater hin. Dieser sogleich von Moses äußerer Erscheinung in Erstaunen versetzt, redete also ihn an: „Wie meine Töchter, denen ihr so hilfreich beistandet, mir berichtet haben, seid ihr ein Aegypter." Moses, ohne dies geradehin zu bejahen, aber auch ohne seine wirkliche hebräische Abstammung anzugeben, erzählte nun unverhohlen seine Geschichte, aus welchem Grunde er einst arrs Aegypten entflohen, dann in Aethiopien zur Königswürde gelangt, aber nach längerer Zeit wieder abgesetzt und mit allen Ehren aus dem Lande entlassen worden sei. Reuel, so wohlwollend er auch gegen seinen Gastfteund gesinnt war, begann doch nun sich zu bedenken. Wer weiß, welchen Hochverraths dieser Flüchtling siD» schuldig gemacht, daß er aus Aegypten'und nun wieder aus Aethiopien entronnen, sagte Reuel zu sich selbst. WeM Gefahr kann nicht für mich daraus entstehen, wenn ich ihm Schutz gewähre! Von meinen eignen Volksgenossen geächtet, soll ich da auch noch jene beiden Mächte, Aegypten und Aethiopien gegen mich aufbringen, indem ich einen Menschen bei mir aufnehme, der von ihnen verfolgt wird. Ausliefern will ich ihn nicht, aber bis nach näherer Erkundigung in Gewahrsam bringen lassen." Vor Allem mußte jetzt Moses sich verpflichten, heute nicht von dannen zu ziehen, sondern die Nacht in Reuels Hause zu verweilen. Am folgenden Morgen aber ward er in einen Kerker gesperrt und darin nur mit spärlicher Kost versehen. Zipora jedoch, von Liebe und Dankbarkeit für . Moses ergriffen, fand Mittel, ihn heimlich mit besseren Speisen zu versorgen, und durch ihre herzliche Theilnahme sein Geschick zu lindem. Reuel, den der Zwiespalt, in welchem er selbst mit seinen Landsleuten lebte, sehr kümmerte, vergaß bald den Fremdling und verabsäumte Nachrichten über ihn einzuziehen. So geschah es, daß Moses zehn, nach And. sieben Jahre im Kerker verblieb. Diese Zeit verbrachte er theils in Gebeten und Andachtsübungen, theils, indem er die ihn täglich besuchende Zipora in den Lehren der Gotteserkenntniß unterwies und ihr Manches aus dem Leben seiner frommen Ahnen, Abrahams und Sara, Jsaaks und