Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1862
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1862-01-01
- Page
- – (sequence 42)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3138070-3138075-3138076--0607-3138697- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
41 stand und Einsicht hat dieser Knabe, daß man ihn wegen seines Benehmens am Leben strafe. Seine Fähigkeiten möge man erst prüfen, ehe man an ihn sich vergreift. Man stelle ihn auf folgende Probe. Befiehl, o Herr, daß eine Schüsiel man bringe, gefüllt mit Gold und Edelsteinen und auch mit glühenden Kohlen. Solche Schüssel stelle man vor den Knaben hin. Streckt er die Hände nach dem Golde und den Edelsteinen, so zeigt dies allerdings, daß er mit Verstand begabt ist und sein Thun ein absichtliches war, dann sei der Tod sein Loos. Greift er aber nach den glühenden Kohlen, so verräth sich nur ein kindischer Sinn, kein Leid füge man ihm zu. Diesen Worten winkte der König Beifall zu. Alsobald ward eine Schüssel herbeigebracht, gefüllt mit Gold und Edelsteinen und auch mit glühenden Kohlen. Schom streckte der Kleine seine Hand nach jenen Kostbarkeiten aus, da erfaßte der Engel Gabriel unsichtbar seine Hand, daß eine glühende Kohle er ergriff, sie entglitt seinen Händen, doch wieder hob er sie auf, fuhr damit nach dem Munde, daß Lippen und Zunge theilweise verbrannten und er seitdem „schwer am Munde und schwer an Zunge" (2. Mos. 4, 10) blieb. Pharao und seine Räthe waren nun überzeugt, daß der Knabe noch unzurechnungsfähig sei, es ward ihm kein Leid zugefügt. Um allen weiteren Nachstellungen zu begegnen, entriß Bithja ihren geliebten Pflegesohn den Händen derer, die sie als seine Verfolger ansehen mußte. Mit der zärtlichsten Sorgfalt ward Moses von ihr im königlichen Palaste erzogen. Gott war mit ihm- und gab dem Pharao einen milden Sinn, daß er sich nicht bewegen ließ, ferner gegen den Knaben etwas vorzunehmen. So ging dieser als Bithja's Sohn in Purpur gekleidet, die Stirn mit Edelsteinen geschmückt, in Gesellschaft königlicher Prinzen einher, er wuchs schnell heran und glich im Alter von fünf Jahren schon einem Knaben von eilf Jahren. Mit großem Kostenaufwands wurden für den jungen Moses Lehrer aus benachbarten Ländern berufen, es kamen deren auch aus freien Stücken, um ihm Unterricht in den vorzüglichsten Wissenschaften und in den freien Künsten zu ertheilen. Bald überragte