Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1862
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1862-01-01
- Page
- – (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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33 ues Kästchen von der Größe, daß ein Kind bequem darin liegen tonnte, bestrich es mit Pech und bedeckte dessen Inneres noch mit Lehm, damit der theure, unschuldige Säugling den üblen Geruch des Pechs nicht spüre, legte das Kind hinein, breitete zierliche Decken zeltartig über dasselbe, denn in ihrem Herzensjammer dachte sie: „Nimmer erlebe ich wohl dieses Kindes Trauzelt zu sehen!" Alsobald setzte sie das Kästchen in des Schilfes Dickicht am Ufer des Nilflusses, bis wohin das Schilfmeer damals sich erstreckte*). Stöhnend ging Jochebed von bannen, die traurige Nothwendigkeit bitter beklagend, den schmählichen Tod ihres Kindes selbst befördern zu müssen. In ihrer Verzweiflung schlug sie Mirjam aufs Haupt und rief: „Nun, Tochter, wo ist deine Prophezeihung?" Zu Amram gewandt fuhr sie fort: „Mußte es einmal dahin kommen, warum setzten wir den Knaben nicht lieber sogleich nach seiner Geburt aus? Ehe ein Kind menschliche Nahrung erhält, wird es von Manchen fürwahr nicht einmal als menschliches Wesen betrachtet. Jetzt aber, da es schon Schmerz wie Lust in höherem Grade empfindet, ist die Art seines Todes um so peinlicher für dasselbe und verursacht uns noch herberes Leid!" In banger Ungewißheit über das Geschick des Knaben entfernten sich die Eltern von des Flusses Gestade, Mirjam aber blieb noch dort auf der Mutter Geheiß und aus inniger, schwesterlicher Zärtlichkeit. Während das Kästchen mit dem Säugling allmählig auf dem Flusse hinschwamm, ging sie dem Ufer entlang, um zu beobachten, was aus dem Knaben werden und wie ihre Weissagung sich doch noch erfüllen werde. Alles dies ereignete sich am 21. des Monats Nissan, dem Tage, von Anbeginn erkoren, daß einst an demselben das israelitische Volk jenen Preisgesang wegen Errettung aus den Fluchen des rochen Meeres (2. Mos. 15, 1) anstimme. .Da schaarten sich die *) Nach e. Version hatte Gott der Jochebed befohlen/ das Kind in einen Kasten zu legen und solches ohne Zagen und Traurigkeit dem Flusse zu übergeben, in. 3