Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1862
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1862-01-01
- Page
- – (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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32 ihre Empfindung dadurch auszusprechen*). Amram küßte fteudig seine Tochter Mirjam auf die Stirn und rief ihr zu: „Jetzt sehe ich wohl, daß deine Weissagung erfüllt ist!" Jochebed aber verbarg den Kleinen während dreier Monate in ihrem innersten Gemache, wo sie schlief**). Doch Pharao, argwöhnend, seine morden- > schen Befehle möchten nicht durchgängig zur Ausführung gelängen, ließ ägyptische Frauen mit ihren Säuglingen in die Häuser, um die Neugeborenen auf folgende Weise zu erspähen. Gewöhnlich pflegt ein Kind zu schreien, wenn es das Schreien oder Lallen eines anderen Kindes vernimmt. Darum stachen die Aegypterinnen ihre eigenen Kinder beim Eintritt in das Haus der Hebräer. Das verborgen gehaltene Kind vernahm das Schreien, erhob ebenfalls seine Stimme und war dadurch verrathen. Länger als drei Monate, mach welchem Zeittaume man ihre Entbindung vermuthete, konnten daher Jochebed und Amram den Kleinen nicht verbergen. — Sie mußten nun fürchten, das Dasein des Kindes werde durch die angegebene List oder auf sonstige Weise durch Späher, welche die geheimsten Winkel durchforschten, um dem Könige etwas Neues zu berichten, entdeckt werden. Sie sammt dem Knaben würden alsdann dem Grimme Pharao's preisgegeben und Gottes Verheißung vereitelt werden. Bester ist es, sagte Amram, des Kindes Heil und Rettung der göttlichen Fürsorge allein überlasten, als einer unsichern Geheimhaltung zu verttauen. Diese kann sowohl den Neugeborenen wie uns alle in Gefahr bringen, Gott aber stehen viele Mittel zu Gebote, den Knaben zu schützen und sein Wort zur Wahrheit Zu machen. Auch erwogen Amram und Jochebed, daß Pharao's Sterndeuter wohl am sichersten zu täuschen seien, wenn man das Knäblein im Sttome aussetzte; denn jene würden dann wähnen, sein Schicksal habe ihn ereilt und nicht länger nach ihm suchen. Jochebed nahm daher ein aus Binsen (Papierschilf) geflochte- *) Nach a. Version beschnitten sie ihn am achten Tage und nannten ihn Jekntiel (Hoffnung auf Gott.) **) Nach And. in einem unterirdischen Gemache.