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Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums · 1862-01-01 · Heft 1 · page 35

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Journal
Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
Volume
1862
Issue
Heft 1
Date
1862-01-01
Page
– (sequence 35)
Language
German
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34 Engel des Herrn um den Thron der göttlichen Majestät und begannen also: „O Herr des Weltalls, woran sollen wir dich mahnen? Jener erhabene Sterbliche, berufen einst an diesem Tage an der Spitze seines Volks ein Siegeslied zu deinem Ruhm anzustimmen wegen Errettung aus den Fluthen, — soll der heute selbst in den Fluthen seinen Tod finden?*) Der Allmächtige aber erwiederte: „Ihr wisset wohl, daß ich Alles überschaue! Nicht vermag menschliches Trachten das zu ändern, was in meinem göttlichen Rathe beschlossen ist. Jene, die in schlauer Tücke um ihrer eigenen Sicherheit willen Andere ins Verderben stürzen wollen, gelangen nicht zum Ziele. Wer aber in Gefahren auf mich vertraut, wird selbst da, wo er es nicht erwartet, aus dem größten Ungemach in unverhofftes Glück versetzt. So wird auch im Geschicke dieses Knaben meine Allmacht sich offenbaren." Melol, König von Aegypten, hatte damals nur noch eine einzige Tochter, die er sehr liebte. Bithja**) (Thermutis oder Therbutis), so hieß des Königs Tochter, bereits längere Zeit mit Chenefras, dem Beherrscher einer Landschaft in der Gegend von Memphis, vermählt, war kinderlos. Dies versetzte sie in trübe Stimmung, denn sie hatte sich-einen Stammhalter als einstigen Erben des väterlichen Reichs gewünscht. Außerdem machte auch das ruchlose und abgöttische Treiben am königlichen Hofe ihrem frommen Ge- *) Nach andrer Version fand die Aussetzung des Säuglings am 6. des Monats Sivan statt, an dem Tage, an welchem später die zehn Gebote auf Sinai offenbart wurden und die Engel ließen also sich vernehmen: o Herr des Weltalls, jener erhabene Sterbliche, berufen, daß einst Dein Gesetz auf Erden durch ihn geoffenbart werde, soll heute umkommen? Nach dieser Version waren von der Geburt bis zur Aussetzung allerdings drei volle Monate verflossen, wogegen die im Texte mitgetheilte Version annimmt, daß es keine volle drei Monate waren, sondern drei, Vollmonde (15 Adar 1, 15, Adar 2 u. 15 Nissan) und damals ein jüdisches Schaltjahr gewesen sei. **) Bithja (1. Chron. 14, 18), so viel wieBathja, Tochter Gottes, wegen ihres frommen Gebahrens so genannt. (S. weiter S. 35.)

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