Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1862
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1862-01-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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8 Fleiß vielleicht schon in jungen Jahren, darum jedoch in seinen alten noch von einer jugendlichen Frische sowohl des Geistes wie Gemüths, gehörte Beer zu den Zierden nicht nur des Kreises, in welchem er durch Geburt und Glaubensbekenntnis lebte, sondern auch der Gelehrten seiner Vaterstadt überhaupt. Sein Wesen und Benehmen, sein Phantasie- und Gemüthsleben, hatte etwas Kindliches. Er blieb sich auch in dieser harmlosen, zutraulichen und auf jeden neuen Eindruck wie mit dem Interesse der Neugier eingehenden Art bis an sein Ende gleich. Die Bücherwelt, in der er lebte und zu deren - hebräischen Grundstoff jede nur irgend die jüdischen Interessen berührende neue Erscheinung aus dem philosophischen, theologischen und historischen Gebiete gewissenhaft und regelmäßig hinzuerworben wurde, war ihm eine lebendige, wir möchten sagen grünende und blühende. Sie ersetzte ihm nicht den Tempel der Natur, den er nicht minder, gern besuchte und durch Reisen und anstrengende Fußpartien mit wahrer Lust an Feld und Wald sich zu erweitern suchte; jene Bücherwelt war ihm die eigentliche und höhere Offenbarung Gottes. Seine Bücher waren seine persönlichen Freunde und Feinde, je nachdem. Der friedvolle, sanfte Mann konnte sich mit der Feder in der Hand und gebeugt über die neuesten Zusendungen des Buchladens über manches erzürnen, was er sonst mit Milde ertrug. Die lebendigen Verfasser, denen er später vergab, fielen ihm erst nur nach den Geistern und Dämonen ein, die ihm aus diesen Büchern entgegen traten. Beer gehörte der orthodoxen Richtung an, ohne sich gegen die Rechte der Philosophie zu verschließen. Die christliche Theologie war ihm ein Gegenstand steter Anregung; selbst manche christlichen Theologen werden Strauß' „Leben Jesu" nicht so gründlich studirt haben, wie dieser unermüdlich seinem Berufe hingegebene Gelehrte. An dem Verstorbenen waren die besten Seiten des Judenthums vertreten. Seinen unermüdlichen Hang zum Wohlthun unterstützte glücklicherweise eine sorglose Lebenslage. Bei keinem gemeinsamen Zweck, auch auf deutsch-nationalem Gebiete, fehlte seine Gabe und sie wurde von ihm wie mit einem Segen ertheilt; sein Auge