Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1862
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1862-01-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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7 Dr, Beer kann mir seine teilnehmende Freude nicht mehr kundgeben. Ich will sie irn Geiste festhalten. Ich bin jetzt Lief in Trauer versenkt. Irn Monat October starben mir Bruder und Schwester in der Heimath. Es wird Herbst, die durch Bande des Bluts und des Geistes Zugehörigen geleiten nicht mehr auf dem weiteren Lebenswege. Treues Gedenken und rüstiges Weiterstreben, so lang der Tag uns beschieden, ist Pflicht. Zwei meiner besten Freunde treffe ich nun in Dresden nicht mehr: meine Freunde Rietschel und Beer, der eine ganz Christ, der andere ganz Jude, aber beide eingeborene Söhne des einen untheilbaren ewigen Geistes, jeder in seiner Weise ständig in der reinen Idee lebend, kindlichen Herzens und männlichen Geistes, Freunde in der beglückendsten Bedeutung des Wortes. Es muß genügen, ihr Gedenken in der Seele zu bewahren, bis man selber zum Gedenken wird und der Wunsch kann nur sein, ihnen gleich im Gedenken zu werden. So reiche ich Ihnen denn im Geiste die Hand, verehrte Freundin. Wir haben dasselbe Heiligthum im Gedenken des Verklärten, seine Segenskraft halte Sie aufrecht Ihr Freund Berthold Auerbach. Dr. Gutzko w äußert in seinen Unterhaltungen am häuslichen Herd, Jahrg. 1861, Nr. 39 u. A. Folgendes*): „Wer Dr. Beer persönlich kannte, hat das Bild eines jüdischen Gelehrten mit so eigenthümlich lebhaften Farben empfangen, daß ihm die Erinnerung an ihn nicht schwinden wird. Gealtert durch einen unermüdlichen *) Eine öiii 17. Juli d. I. von dem Dresdener Oberrabiner Landau zum Gedächtniß des aus dem Leben geschiedenen Dr. Bernhard Beer gehaltene Rede (im Buchhandel erschienen bei 91. Kunze) giebt in treffenden Umrissen ein Bild des Verstorbenen. Die Schilderung ist wahr und verschweigt nichts, was zum Schmück des Dahingeschiedenen diente. Dennoch verbot dem Redner die Rücksicht auf eine feierliche Versammlung ein noch charakteristischeres Eingehen auf seinen Gegenstand.