Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums · 1862-01-01 · Heft 1 · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
Volume
1862
Issue
Heft 1
Date
1862-01-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3138070-3138075-3138076--0572-3138662
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

6 Sofort andern Tages wollte ich Ihnen schreiben, aber so oft ich die Feder ansetzte, schwindelte mir. Ich nahm mir vor, Ihnen von der Schweiz aus zu schreiben, wo ich gefaßter, trostbringender sein zu können hoffte. Ich traf in B. unsern Freund Pros. L. und in der Lichtenthaler Allee im hellen Sonnenschein gingen unsere Gedanken trauernd dem Geschiedenen nach. Es muß ein Trost sein, Ihnen und uns Allen, und unser tiefster Wunsch, daß es auch uns einst so ergehe, daß wo zwei Menschen, die dem reinen Gedanken leben, sich begegnen, sie so des hinweggerassten Geistesgenoffen denken und ihn im Geleite haben. Es bleibt ein unverlierbares Besitzthum, solch einen Mann, wie den nun Verklärten gekannt zu haben, und, ein höhres, ihn als Freund besessen Zu haben. Die Tugend, Freund zu sein,»sich erfteuend am Leben des Andern, wohnte keinem mächtiger inne als unserm Freunde Beer. Die die lebendige wahrhafte Güte de^ Menschen leugnen wollen, ihnen kann das Grund - Wesen des Seligen als siegendes- Beispiel entgegen gestellt werden. Es steht nicht leicht wieder einer auf auf Erden, dem das Innewerden jedes Guten, was den Sieg der Humanität bekundet, so zum persönlichen Feste wurde wie ihm und der jedes Unschöne, Lieblose, Inhumane so als persönliche Kränkung empfand. Er hat das wahre Leben in Gott gelebt, in der ewigen Idee', und seine Theilnahme war ein Segen für Jeden, der ihrer unmittelbar theilhaftig werden konnte. Wenn es für uns, die wir nur theilnehmen konnten an der ständigen Edelsinnigkeit des Verklärten, ein reiner Trost sein muß, hoch Theil genommen zu haben, muß es für Sie, verehrte Freundin, ein um so vollerer sein, da Sie das volle ganze Leben des theuern seltnen Mannes ganz Ihr eigen nennen konnten. Ich wollte Ihnen von der Schweiz aus schreiben, aus dem Naturleben heraus, das nächst der Wissenschaft dem Verklärten so helle Beseligung bot. Ich kam auch dort nicht dazu. Bei allem Streben und allem theilweisen Gelingen, das mir noch im Leben wird, fehlt mir eine der erquickendsten Empfindungen: mein Freund

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.