Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1862
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1862-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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durch seine Schriften hochschätzen gelernt und meine Studien geben mir vielleicht das Recht, ihn einen Geistesverwandten zu nennen. Ich habe in ihm einen nachsichtsvollen, üef eingehenden und mild belehrenden Beurtheiler meiner Bestrebungen verloren." Berthold Auerbach schreibt an die Wittwe: ^Berlin, 12. November 1861. Warum unser Freund A. nicht schreibt? So haben Sie gewiß schon oft gefragt', werthe Freundin. Und mit Recht. Sie wissen, daß von den hundert und hundert, die Ihren edlen großgesinnten Mann im Leben liebten und ihm im Tode nachtrauern, keiner das mehr mit ganzer Seele und ganzem Herzen thut, als ich. Und es ist nur einfacher Entgelt. Von den Vielen, die ich das Glück habe, mir im Geiste und in persönlicher Liebe Zugehörig zu wiffen, hat keiner mit reinerer und mächtiger Seelenenergie mein Leben und Streben erfaßt, als mein herzwarmer Freund Dr. Beer, Und doch schrieb ich Ihnen noch nicht? Ich war in Kissingen, chi kam mit meinem Freunde Dr. St. aus A. am Abend von einenr erfrischenden Waldgange zum Brunnen, ich fühlte mein ganzes Wesen erleichtert und da tummelten sich fröhliche Menschen und die Musik ließ helle Töne erklingen. Da stellte mich mein hiesiger Hauswirth A. dem Dr. L. aus L. vor und es war gewiß aus innerer Bedrängniß, die ihn als erste Worte mir sagen ließ: die Nachricht von Dr. Beer hat Sie gewiß auch sehr erschreckt. Ich fragte und erfuhr das Entsetzliche. Mir wankten die Knie, das ist ein Todesstreich aus heiterem Himmel. — Ich wanderte mit schwerer Mühe weit hinaus in die Einsamkeit, die Sonne ging hell hinab über der Erde, in der nun wieder eines der kindlich reinsten und mannhaft hochgesinntesten Herzen ruht. Ich kann Ihnen nicht sagen, wie ich vor tiefem Wehe mir gar nicht zu helfen wußte, aber das kann ich sagen, daß nirgends auf der Welt dem herrlichen'Manne tiefer nachgetrauert wurde, als da in der Einsamkeit von mir.