Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1861
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1861-01-01
- Page
- – (sequence 269)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3138070-3138077-3138078--0557-3138647- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
251 erste ist die klare und deutliche Auffassung meiner Erkenntnißkraft, die andre das offenbarte Wort Gottes, oder der Wille Gottes. Ich suche nach der ersten ein Freund der Wahrheit, nach beiden ein christlicher Philosoph zu sein; und wenn es nach einer langen .Prüfung manchmal geschieht, daß meine natürliche Erkenntniß entweder mit diesem Worte zu streiten, oder weniger gut mit ihm übereinzustimmen scheint: dann hat dieses Wort bei mir so viel Ansetzn und Gewicht, daß die Vorstellungen, welche ich mir als klar einbilde, vielmehr mir verdächtig sind, als daß ich sie über oder gegen die Wahrheit von der ich glaube, daß sie mir in jenem Buche vorgeschrieben ist, setzen sollte. Und was Wunder? will ich denn nicht fest und beharrlich glauben, daß dieses Wort Gottes Wort sei, d. i., daß es vom vollkommensten Gölte ausgegangen, der mehr Vollkommenheiten in sich schließt, als ich fassen kann, und vielleicht über sich und seine Werke mehr Vollkommenheiten predigen wollte, als ich mit meiner endlichen Vernunft heute, ich sage heute fassen kann: denn es kann geschehen, daß ich mich selbst durch meine Werke größerer Vollkommenheitev beraubt habe, so daß, wenn ich vielleicht die Vollkommenheit besässe, der ich durch eigene Handlungen beraubt bin, ich vielleicht fassen könnte, daß alles das. was in jenem Worte uns vorgelegt und gelehrt wird, mit den gesündesten Vorstellungen meines Geistes übereinstimmen. Weil ich mir aber selbst verdächtig bin, ob ich nicht durch einen fortgesetzten Irrthum mich selbst eines bessern Standpunktes beraubt habe, und oh nicht, wie Du (Princ. Part. 1. Prop. 15.) meinst, unsre, wenn auch klarste Erkenntniß eine Unvoükommenheit einschließe: so neige ich mich vielmehr, auch ohne Vernunstgrund, zrr diesem Worte, auf diese Grundlage mich stützend, welche von dem Vollkommensten ausging, und deshalb mir beglaubigt sein muß. Wenn ich nun nach Leitung meiner ersten Reget [Der Vernunft^ allein, die zweite [Die Offenbarung^ ausgeschlossen, als wenn ich sie nicht hätte , oder sie gar nicht vorhanden: