Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1861
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1861-01-01
- Page
- – (sequence 257)
- Language
- German
- Belongs to
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239 Körperlichen von dem, was im Geistigen vor fich ging : ein keckes Vorwärtsschreiten mit kühner Verachtung der Hindernisse, ein muthiger Widerstand gegen alle Angriffe, eine durchgreifende Standhaftigkeit im Einmalgewonnenen, eine unerschütterliche Ausdauer auf dem einmal eingeschlagenen Wege — er meidet die ihn zurückhaltende alte Welt (der Juden), er verschmäht die ihm winkende neue Welt (der - Christen), die ihn nun auch hülflos läßt, er verläßt die Werkstatt des Geistes, und geht in die eines Brillenschleifers: ist doch nur das äußere Auge auf das Glas und den Stein und das Rad-gewendet, das innere dreht sich dennoch ungestört um den Mittelpunkt des Weltalls, den Geist Gottes und den Geist des Menschen — so ziehet er sich in seinen späteren Jahren, da die Phthisis schon leise an das Gewebe des Lebens, getastet und hineingegriffen, und mit langsamer, aber sicherer Hand es aufzulösen begonnen, auf sich ganz allein zurück: er hatte die Kraft seines Daseins verwendet, sich einen unabhängigen Sitz zwischen den Parteien zu erwerben, und da ihn hierüber jede Partei bekämpfte, hatte er sie alle bestanden. Nun verwehrte ihm aber Nichts, aus der täuschungsvollen Welt in die stille Brautkammer der Idee zurückzuweichen. Hier machte er sich heimisch, alles Andere war aufgegeben. Jeder Anspruch an die Welt veräußert. Nichts sein. Nur die Welt des Geistigen, die schon im Einzelnen ganz lebt, zu erobern. — Und die Tage zogen i^m, einer nach dem andern, hin: Vieles wollte er, und mühte sich drum, nach allen Seiten der Wissenschaft lief sein Streben aus, und der Grund war gelegt^ zu vielen herrlichen Schöpfungen — aber der Tod beschlich ihn unverrückt, die Fundamente blieben unbenutzt, die halben Bauwerke stehen da, und geben Zeugniß, wie so viele gothische Gebäude, daß der Baumeister gestorben : ein anderes Jahrhundert nimmt jetzt den Zenith des Menschenhorizontes ein, aber die Kraft> welche jene errichtete, ist längst gewichen. — Das waren also die Gefühle, welche die Brust Spinozas in seinen letzten Lebensjahren be-