Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1861
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1861-01-01
- Page
- – (sequence 194)
- Language
- German
- Belongs to
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175 Menschlichkeit, von dem Entleiher gleichfalls Profit zu nehmen, denn so wie Niemand verpflichtet ist, seine, eigenen Güter Fremden zu schenken, so ist er eben so wenig gehalten, sie nur im Interesse Anderer zu verleihen, ohne für sich irgend welchen Gewinn fest zu setzen, den er mit seinem Gelde hätte erschwingen können. Nur muß dies mit Mäßigkeit geschehen, so daß der Zins nicht das Maaß überschreitet und in Betrug ausartet, wie solches selbst von Christen gegen Christen geschieht, so auf Dem Berge der barmherzigen Brüder von Padua, Vicenza und Verona, wo sie sogar sechs Procent und noch mehr nehmen. Dieses kann aber in keiner Weise Raub genannt werden, da der Entleiher freiwillig daraus eingeht. Dieselbe heilige Schrift, welche von den Bekennern einer andern Religion Zinsen zu nehmen gestattet, verbietet ausdrücklich, irgend Jemanden zu berauben oder zu übervortheilen, welchem Bekenntnisse er auch angehöre. Unserem Gesetze zufolge gilt es für weit größere Sünde, einen Fremden zu berauben oder zu betrügen, als seinen eigenen Glaubensbruder, weil der Jude verpflichtet ist, jedem Menschen seine Liebe zu zeigen, denn ihm wurde das Gebot, weder den Jdumäer noch den Egypter zu verabscheuen, und den Fremden zu lieben und zu beschützen, welcher in seinem Lande wohnen will. Werden nichts destoweniger Einige gefunden, welche dem Gesetze zuwider handeln, so thun sie das nicht als Juden, sondern als abscheuliche Creaturen, wie man ja unter allen Nationen schändliche Leute und Wucherer antrifft. 2) Betreff des Kindermords ist es eine untrügliche Wahrheit, welche von den Negern Guinea's und Brasilien's berichtet wird, daß, wenn sie einen Elenden gewahren, der einer Gefahr zur See entgangen ist oder irgend ein Mißgeschick oder Schiffbruch erlitten hat, sie ihn verfolgen und desto mehr quälen, weil sie behaupten, er sei von Gott verflucht. Wir leben nun freilich nicht unter den Schwarzen und Barbaren, sondern unter den Weißen und den civilisirtesten Völkern der Welt, finden es aber doch natürlich, daß die Menschen sehr