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Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums · 1861-01-01 · Heft 1 · page 193

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Journal
Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
Volume
1861
Issue
Heft 1
Date
1861-01-01
Page
– (sequence 193)
Language
German
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174 Alles dieses will ich kurz zu widerlegen suchen. 1) Was den Wucher betrifft, so ist diese That nicht wesentlich den Juden eigen, denn wiewohl in Deutschland 230) Einige gefunden werden, welche Wucher treiben, so verabscheuen doch die Meisten von ihnen, welche aus Spanien eingewandert, in der Türkei, in Italien. Holland und Hamburg leben, sich damit zu befassen. Mit einem sehr geringen Nutzen von vier oder fünf Procent legen sie gleich den Christen ihr Geld gewöhnlich in Banco an, 231) denn ohne irgend welche Zinsen zu leihen ist ihnen nur gegen ihre eigenen Brüder, die Juden, geboten, nicht aber gegen irgend eine andere Nation; der Mildthätigkeit ist durch das Gesetz keineswegs eine Schranke gesetzt. Es liegt in der Natur der Sache, daß Jeder danach strebt, durch sein Geld Vortheil zu erlangen und seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Wenn Jemand eine Partie Waaren übernimmt, durch welche er Gewinn erwartet, welcher somit durch von Anderen erborgtes Geld erreicht wird, so ist es nicht Un- 230) Menaffe tritt hier durchaus nicht als Ankläger gegen die Juden in Deutschland auf; es stand diesen mit kaiserlicher Bewilligung im Mittelalter frei, zwanzig, dreißig Procent und noch mehr zu nehmen. ,,Als ich einst", so erzählt Menaffe, in ,,Rettung der Juden" (1. c. III., 220; ,,einem Rabbi, der aus Polen nach Amsterdam kam, wegen der übermäßigen Zinsen, welche sie in Deutschland und Polen von den Christen fordern, Vorwürfe machte, und ihm sagte, wie mäßig sie in Holland und Italien wären, so antwortete er: „Wir sind gezwungen, es so zu machen, indem sie so oft falsches Zeugniß wider uns ausstellen und auf einmal mehr von uns heben, als wir in vielen Jahren von ihnen zu gewinnen im Stande sind." 231) Wucher und Schacher, sagt Reils (Zeitschrift des Vereins für Hamburg'fche Geschichte fHamburg 18471, II, 380), war nicht die Sache der spanisch-portugiesischen Juden; in dem eigentlichen Handel aber und was dahin gehört, was denselben erleichtern und fördern konnte, zeigten sie große Betriebsamkeit und Tüchtigkeit. Daß bei der Gründung der Bank in Hamburg und auch in London die Juden besonders thätig gewesen, wird als bekannt vorausgesetzt; vgl. mein „Jacob Castello" in Hirsch's Jeschurnn (Frankfurt 1859), V, 325 ff.

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