Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1861
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1861-01-01
- Page
- – (sequence 87)
- Language
- German
- Belongs to
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67 aus, nahm, uns die Kleider vom Leibe, so daß wir nichts behielten, als ein Paar alte Hosen und einen Schlafrock, also nicht einmal uns kleiden konnten, wenn wir etwa auf die Kanzlei geladen würden. Freitag (28. August) kam ein Befehl, die Thüre des Gefängnisses solle offen bleiben, und vor jeder eine Schildwache mit blankem Säbel schildern, und ein Unterosficier sollte Acht geben, daß die Schildwachen stets wachsam seien, damit man all unser Thun und Lassen beobachten könne. Dessen ungeachtet blieben wir eben so geschlossen, und visitirte der Gewaltiger ebenso fleißig. Auch blieben beide stets da beim Essen, der Unteroffizier meist bei mir, der Gewaltiger bei meinem Bruder.-— Man kann sich leicht denken, welche Pein der Bulken verursacht hat, und zwar, weil er sehr schwer war, und zweitens, weil man nicht im Stande war zu gehen, man konnte nicht vom Tisch zum Bette gelangen; drittens war es auch schwer zu liegen, denn lag man auf dem Rücken, so drückte das Eisen hinten in die Füße, und auf der Seite war es unmöglich zu liegen, auf der einen wegen des Schlosses und auf der andern wegen des Knopfes an dem Bulken. Auch steheu konnte man nicht, wegen der Schwere. Es war fast nicht auszuhalten. Wirklich schwollen uns die Beine. Wir beschwerten uns sehr nachdrücklich darüber, und der Obristlieutenant Quernheim kam uns zu besichtigen, Kahl mußte uns losschließen lassen, und jener überzeugte sich, wie wir geschwollen waren und sandte zwei Regimentsfeldscherer, Frede und Thibeau, welche berichteten, daß wir es nicht aushalten könnten. Darauf kam Dinstag, 2. Septbr., Befehl, uns kreuzweise zu schließen, nämlich am rechten Fuß und an der linken Hand. Wir beschwerten uns jetzt, daß wir die Thefillin nicht anlegen könnten, worauf besohlen wurde, den linken Fuß und die rechte Hand zu schließen, und Mittags und Abends beim Essen uns loszuschließen. Jeden Abend und jeden Morgen wußte der Gewaltiger mit seinen Steckenjungen in Gegenwart des Unter- 5*