Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1861
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1861-01-01
- Page
- – (sequence 77)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3138070-3138077-3138078--0365-3138455- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
57 Wir spielten mitunter Bretspiele. An diesem Tage waren wir Morgens durch einen Kammerdirector von Hildesheim und einen Sekretär jeder besonders verhört, auch Gumpels Bedienter und Manes. Bis daher war jeder allein in seiner Kammer in Arrest gehalten worden, nachher wurde zugegeben, daß die Bedienten aufwarten dursten, und wir Brüder konnten beisammen sein. — Das Verhör bot nichts merkwürdiges dar. Man schlug uns vor, uns in Hildesheim s Schutz zu geben, aber wir lehnten es mit Dank ab, und baten dringend, nach Hannover zu den Unsrigen gelassen zu werden. Die Sergeanten hatten unterdeß nach Hannover geschickt und Verhaltnngsbefehle gefordert, weil man sie nicht zu uns ließ. Man antwortete, ste sollten sich gedulden, wir würden ihnen bald abgeliefert werden. Unterdeß war noch Lieutenant Talart aus Hannover zufällig in Steierwald, und ein Amtmann Fricke, beide dursten nur vom Hose aus mit uns oben durchs Fenster sprechen. Endlich ward der Geheimsekretär und Kriegsconunissar Best nach Hildesheim geschickt, um die Auslieferung zu bewirken. Die Verhandlung dauerte aber, wie weiterhin zu sehen ist, bis Montag 10 Nissan (7 April). Nun wollen wir berichten, wie es unterdeß unsern Leuten in Hannover erging. Unsre Frauen hatten Beschwerde geführt, daß sie nicht zu leben hätten, weil alles versiegelt war. Das Geheim-Raths- Collegium beorderte also den Salman D., er solle den Frauen Vorschüsse machen. Diese hatten nämlich nichts aus dem Comptoir genommen. Am ersten Tage unsrer Abreise, Montag, war schon Oberster Wecht und einige andere mit Samuel Altona Vormittags im Comptoir gewesen. Dieses war noch nicht versiegelt, und man hatte es vom Kopisten Joseph ausschließen lassen, und da man die Schlüssel zu den Obligationsschränken nicht gefunden, welche in Samuels Kassenschranke lagen, diesen durch den Schlosser Krämer ausmachen lassen;