Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1861
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1861-01-01
- Page
- – (sequence 75)
- Language
- German
- Belongs to
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55 Älle diese Briefe nahm der Wagenmeister mit. Der Kurier schrieb ebenfalls dabei. — In der Nacht schliefen wir auf Stroh. So oft wir etwas aus der Kutsche brauchten, ging stets der Kurier und mehrere Bauern mit, deren viele bei der Kutsche an dem Wagen Wache hielten. Um 10 Uhr Abends erschien ein Sekretär aus Hildesheim, ließ visitiren und versiegelte alle unsre Sachen. Am Morgen, Dinstag 4. Nissan (2. April) ließ der Amtmann uns durch seinen Bedienten Kaffee und Zucker anbieten, sandte uns auch dieses und einen lebendigen Wälschen Hahn, den wir schlachten ließen und zum Frühstück aßen. Inzwischen hatte man bereits Montag Nachmittag in Hannover in unser Haus etliche und zwanzig Soldaten gelegt, und sämmtliche Aus- und Eingänge gesperrt, auch unsre Sachen versiegelt. Gegen Abend war unser Kassirer aus Celle zurückgekehrt, und zwar gemäß seiner Ordre. Der Kurier war ihm begegnet, hatte ihn aber nicht erkannt und fahren lassen. So wie er ankam, brachte man ihn zum Kammer-Präsidenten von Goerz. welcher mit ihm sprach; dann ward er nach unserm Hause geführt, wo er in Haft gehalten ward, wie alle unsre Gehülfen; nämlich Stutzer aus Hanau, Abraham Sturm, Wolf Joseph, ein Copist. Wie es diesen weiter ging, erzähle ich nachher. Zuvor will ich berichten, was mit uns sich zutrug. — Am Dinstag 4 Nissan kam zu uns Seckel aus Hildesheim; aber der Amtmann ließ den Pfarrer rufen, welcher sehr gut hebräisch sprechen und schreiben konnte, wie ichs fast nie von einem Christen gehört habe; dieser mußte dabei sein, so lange Seckel bei uns war, damit wir nichts geheim mit ihm verabreden könnten. Durch Seckel ließen wir an meinen Schwiegervater nach Halberstadt schreiben, der Pfarrer mußte den Brief erst lesen, und ein gerade anwesender, Wolf aus Hildesheim, nahm denselben mit nach Halberstadt. Wir meldeten darin den ganzen Vorfall und ersuchten ihn, jemanden