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Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums · 1861-01-01 · Heft 1 · page 74

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
Volume
1861
Issue
Heft 1
Date
1861-01-01
Page
– (sequence 74)
Language
German
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54 fernt, als ein lautes Gerücht entstand, wir wären bankrott und entflohen. Der Geheimsecretär Bademeister war in unserem Hause gewesen und hatte mit meiner Frau gesprochen. Alsbald hatte man viele Unterosfiziere und des Geheimrath Vernsdors Courier Erdmann, den Adjutanten Sakan und andere auf die Rathsstube bestellt und ihnen Steckbriefe mit dem Befehl gegeben, aus uns zu fahnden und uns sowohl, als unsern Koch Manes und unsern Kasstrer zur Hast zu bringen. Es war keine Straße, auf welcher nicht mindestens Einer nachgeschickt wurde, auf einigen Zwei. Der Courier des Geheimrath Bernsdorf holte uns in Nedling um 2 Uhr mit seinem Wagenmeister ein. Wir hatten anfangs kein arg davon. Der Wagenmeister sprang alsbald vom Pferde und stellte sich vor unsern Wagen mit dem Pistol in der Hand, während Erdmann in's Dorf lies. Ich fragte Jenen, wo er her käme?' Er erwiderte, wir würden das sogleich erfahren. Ich fragte, was denn vorginge? Er sprach: In Hannover heißt es, Ihr seid bankrott und wollt davon gehen. Behüte Gott! riefen wir. Kommt, wir wollen sogleich umkehren. Da rief er den Erdmann zurück, dieser aber wollte nicht daraus eingehen. Da sprachen wir zu ihm, wenn er glaube, sie beide können uns nicht bewachen, möchten sie Bauern auf unsere Kosten herbeiholen. Das wollte Erdmann nicht aus eigene Verantwortung thun. Er lief zum Amtmann hin. Dieser ließ uns vorfordern und redete uns hart an. Wir dienten ihm aber gehörig und erklärten ihm, wir seien ehrliche Leute und wollen es auch bleiben. Nun bekamen wir 40 Bauern zur Bewachung, aber wir gingen auf der Straße spazieren. Abends ritt der Wagenmeister nach Hannover. Wir gaben ihm ein Schreiben an Geheimrath Bernstorf mit, in dem wir ihn ersuchten, sich nicht zu übereilen, was uns zu Grunde richten könnte; wir hätten nie an Bankrott gedacht. Man möge in unserem Hause nichts vornehmen lassen, wir werden bald zurück sein. Zugleich schrieben wir an unsere Frauen offen und mit deutscher Schrift.

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