Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1861
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1861-01-01
- Page
- – (sequence 64)
- Language
- German
- Belongs to
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44 Am 13. Msun 480 (1720) führ ich zur Ostermesse nach Leipzig, und zwar von Halberstadt aus, wo ich den Sabbath vorher, nämlich den 12., zugebracht hatte. Von Hannover aus begleiteten mich Salman D d. (wahrscheinlich Düsseldorf) und Salman Gans, und von Halberfiadt aus reisten meine Schwäher Berman und meine Schwieger am Sonntage mit., Wir hatten viel Geld bei uns, und deßhalb zwei Beiwagen. Wir kamen an demselben Tage in Schackinthal bei Sandersleben an, welches zwischen Aschersleben und Könnern liegt, wo wir anhalten mußten, weil hier die Postillone Zoll erlegen müssen. Während dessen bin ich ausgestiegen. Da steht vor mir ein Unteroffizier in blauer Montur, dieser frägt an der Kutsche meines Schwiegervaters diesen, wer er wäre? und erhielt zur Antwort: der Resident. Dann richtet er dieselbe Frage an mich. Ich erwidere: Der königliche Oberfactor aus Hannover. Da ruft der Unteroffizier: Burschen heraus! Sofort traten 7 Soldaten mit 8 Gewehren heraus, das eine dem Unteroffizier reichend, umringen mich, und der Unteroffizier sagt zu mir: Ihr seid im Namen meines gnädigsten Fürsten von Dessau im Arrest. Ich fragte: Weßwegen? Er antwortete, das könnte er nicht wissen. Er wolle mir nur die Wahl lassen, ob ich so lange im Amtshaus oder im Wirthshaus bleiben wollte. Ich zog letzteres vor: Wir gingen also allesammt in die Wirthsstube. Der Unteroffizier stellte hierauf zwei Schildwachen mit aufgeschrobenem Bajonet vor die Thür des Zimmers. Anfangs wollte er keinen andern hineinlassen, aber dann ließ er uns beisammen. Ich fragte ihn, was nun geschehen solle? Er erklärte, er werde sogleich zum Amtmann schicken, der weitere Anordnungen treffen werde. Inzwischen setzten wir uns hin, um zu spielen, zu essen, Kaffee zu trinken. Ich konnte jedoch keinen Bissen herunter bringen. Nach etwa zwei Stunden erschien der Amtmann. Beim Eintreten sagt er sogleich zu mir: Seid Ihr der Arrestant? Ich, antwortete: soll es sein, weiß aber nicht, weßwegen. Er er-