Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums · 1861-01-01 · Heft 1 · page 54

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
Volume
1861
Issue
Heft 1
Date
1861-01-01
Page
– (sequence 54)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3138070-3138077-3138078--0342-3138432
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

33 Corfu, Zante und Constantinopel wohnen, find größtentheils Griechen und find gar nicht so wie die italienischen. Sie haben keine Einsicht und die seltsamsten Sitten, die Vorschriften und Grundsätze des Christenthums vernachläsfigen fie gänzlich, fie paffen gar nicht in's römische Reich. Sie haben einen Patriarchen in Constantinopel, dem fie alle gehorchen. In ihren Kirchen find keine Glocken, auch sonst weichen fie ganz von den Jtaliänern ab, die Manches nicht dulden würden. An Feiertagen haben fie zum Theil offene Läden, während andere geschlossen find, ein Theil feiert, ein anderer arbeitet. Die Griechen essen am Sabbath wie am Sonntage Fleischt); Fasten halten fie drei Mal im Jahre, und meiden dann Alles, was vorn Lebenden kommt, selbst Fisch, auch Oel. Ihre Popen heirathen einmal, aber nicht nach dem Tode der Frau zum zweiten Male. Die meisten Griechen find Handwerker. Was ein Jude berührt hat, essen oder trinken fie nicht, wenn man ihnen noch so viel geben wollte, auch nehmen fie kein Geräth eines Juden in Gebrauch. Wenn ein Jude von ihnen etwas kaufen will, darf er es nicht anrühren. Er darf nur sagen, das und dies möchte ich kaufen. Sobald er es aber berührt, muß er es behalten. Geschlachtetes Fleisch gilt bei ihnen als Aas. Den Jtaliänern stehen fie so feindselig gegenüber, wie wir den K a r a i m. — Ihren Frauen gestatten fie nicht, in der Stadt fich am Tage zu zeigen; nur in der Nacht dürfen fie ihre Freundinnen besuchen oder in die Kirche gehen. Sie 28) Diese Bemerkung betrifft einen der wichtigsten Unterschiede zwischen der römischen- und griechischen Kirche. Erstere fastete ehemals außer Mittwoch und Freitag auch noch am Sabbath, was nach und nach allgemeiner Brauch wurde, während die morgenländische Kirche an beiden letzten Wochentagen die Eucharistie feierte, was alles Fasten ausschloß. (Vgl. Rheinwald, Kirchl. Archäol. §. 62.) — Was die drei Fastenzeiten anbelangt, so wird damit die Fastenzeit vor Ostern, vor Pfingsten und vor Weihnachten gemeint. Vgl. Jacobson, Fasten in der orthodoxen Kirche und Herzog, Encyclopädie, IV. 338. ii. 3

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.