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Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums · 1861-01-01 · Heft 1 · page 49

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Journal
Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
Volume
1861
Issue
Heft 1
Date
1861-01-01
Page
– (sequence 49)
Language
German
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28 brechen alsbald das Gesäß; aber es gehen beständig Wasserträger umher und bringen es in Fässern in's Haus für 2 ^uatriui, welches ausreicht zum Kochen und Trinken für einen Tag. Hier fand ich eine große und geschmückte Synagoge mit einer Gemeinde von etwa 25 Familien, theils Levantiner, theils Sicilianer, theils Portugiesen. Unter ihnen herrscht Haß und Zwietracht. Arme, die von Unterstützung leben, giebt es unter ihnen nicht. Kommt aber von außerhalb ein Armer her, so nimmt man sich seiner nicht an wie in Italien. — Sie zahlen keine besondern Abgaben oder Steuern, außer 26 Dukaten jährlich an den Stadtrichter für die ganze Gemeinde. Sie ernähren sich alle sehr leicht und ohne viel Arbeit, denn sie haben kein Geschäft, als den Wucher, bis auf zwei oder drei Unbemittelte, die kein Geld zu verleihen haben, und als Mäkler genugsam zu thun finden. — Uebrigens giebt es sonst auf der ganzen Insel keinen Juden, obwohl sie groß ist und fast 15,000 Dörfer oder sogenannte Oasali (Weiler) hat, außer der großen Hauptstadt Nikosia^), etwa 36 Meilen oder eine Tagereise von hier. Wer aber Geld braucht, kommt hierher. Es geht in der That mit dem Leihgeschäft hier merkwürdig zu. Man leiht Niemandem, außer auf sicheres Unterpfand. Vertrauen kennt man hier nicht. Ist das Pfand Silber oder Gold, so nimmt man 20 Procent, ist es Wolle, Leinen, Seide oder sonstige Waare, 25 Proc. Das Pfand behält man ein Jahr, dann wird dem Schuldner auf seine Kosten eine Erinnerung zugeschickt, dasselbe bis spätestens binnen einer Frist zurückzuziehen oder zu erneuern. Geschieht dies nicht, so bringt man das Pfand zum Stadtgericht, wo es versteigert wird. Kommt so viel ein, daß Capital, Zinsen und Unkosten gedeckt sind, so erhält der Eigenthümer den Ueberschuß, wo nicht, so 22) Die übrigen größeren Ortschaften hat der Verfasser damals noch nicht gekannt.

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