Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1861
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1861-01-01
- Page
- – (sequence 48)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3138070-3138077-3138078--0336-3138426- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
27 Die hier gangbare Münze ist die Venezianische jeder Art. Ein Scudo gilt 6 Lire und 10 Solidi venet., eine Zecchine 8 Lire, ein nicht venezianischer Scudo gilt nur 6 Lire 8 Solidi. Man sagt, es sei hier nie Schnee gefallen und habe niemals gefroren. Regen ist selten. Die Hitze ist hier starker, als in irgend einem türkischen Lande. Im Sommer geht niemand aus dem Hause, außer eine Stunde früh Morgens und eine Stunde Abends. Der Sommer dauert etwa 8 Monate im Jahre. Nach einer andern Stadt begiebt man sich nur reitend in der Nacht. So machen es, die für ihre Gesundheit sorgen. Güter befördert man auf Wagen mit Ochsen bespannt. Die Wagen sind aber von unsern verschieden; so auch die Thiere, diese sind nämlich gefleckt und vielfarbig; ich glaubteder Erzvater Jakob müsse hier seine Heerden geweidet haben. Zum Reiten dienen Pferde und Esel die Menge. Man miethet ein gutes Pferd für 4 Solidi den Tag, das Futter ist wohlfeil. Eine Augenkrankheit herrscht hier häufig und sie beginnt gewöhnlich um den längsten Tag und dauert bis nach der Herbst-Gleiche. Sie fängt an mit zwei- oder dreitägigem Fieber und heftigem Kopfschmerz an der Stirn, dann vermindert sich das Fieber und es befällt ein Fluß die Augen mit Schmerz und Entzündung; dies hält etwa 20 Tage, auch wohl cinen Monat an. Bei gehöriger Beachtung vergeht das Uebel von selbst. Es sucht allerlei Personen heim, Männer und Frauen, Groß und Klein. — Wir stehen jetzt im October und' können vor Hitze selbst in der Nacht nicht ein Decktuch auf dem Körper ertragen. Die Miethe der Häuser ist hier wie in Italien. Ich habe ein Haus gemiethet, welches zwei große und schöne Zimmer oben und eine Küche nebst einem Zimmer unten enthält, letzteres eine Art Niederlage für Wein, Oel, Holz und Geflügel; — und zahle 10 Dukaten das Jahr. Wasser darf sich niemand selbst holen, denn die Griechen und die Galeerenarbeiter zer-