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Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums · 1860-01-01 · Heft 1 · p. Seite 236

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Journal
Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
Volume
1860
Issue
Heft 1
Date
1860-01-01
Page
Seite 236 (sequence 234)
Language
German
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237 fürchterlicher geworden und das Requisitionssystem nicht milder. In dieser Zeit dachte der Kaiser daran die Rechte der Juden zu schützen und er erließ einen Bries an die Militärbehörden*), daß sie von den Juden in Worms keine besonderen Kriegssteuern erheben, sie nicht mit Einquartierungen belästigen rc. Eben so waren die Juden in Wien, Prag rc. von Kriegssteuern befreit. Hätten wir auch sonst keine Nachrichten über Ferdinand, wie er gegen die Juden gesinnt und gestimmt war, als dieses Aktenstück allein: es würde hinreichen von der humanen Gesinnung Ferdinands um so mehr Zeugniß abzulegen, wenn man die damaligen Zeitverhältnisse dabei mit in Rechnung bringt. Die Juden selber haben sich bei den Kriegen lebhaft be- Lheiligt und in patriotischer Weise zum Heile des Vaterlandes gewirkt. Die Juden haben es verstanden, zu einer Zeit wo Geld sehr selten war, dem Staate Geld zu verschaffen. Der Kaiser erkennt dieses an in einem Dekrete**), in welchem er den Familien Marburger, Gradisch, Ventura Parente und Pinkherl die erhaltenen Freiheitsbriese und Privilegien bestätigt. Diese Männer standen während des Krieges mit der Republik Venedig nicht blos mit ihrem Gute, sondern auch mit ihrem Blute ein; Juden kämpften auch im kaiserlichen Heere. Es ist noch nicht lange her, daß man den Juden den Vorwurf der Feigheit machte. Während sonst behauptet wurde, daß der Jude in seiner Gesichtsbildung, in seinem Temperament den Typus seiner Abstammung trage, stellte man es in Abrede, als würde in seinen Adern das Blut Gideons, Davids oder der Makkabäer fließen. Jetzt ist diese Anklage freilich verstummt. In der östreichischen Armee befinden sich beiläufig 17,000 jüdische Soldaten, die gewiß um nichts seiger und erschrockener als ihre tapfern Kampfesgenossen sind» Wir müssen es auch zur Ehre Oesterreichs sagen, daß seitdem “) S. Beilage XIII. **) S. Beilage IV.

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