Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1860
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 235 (sequence 233)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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236 gefehlt und die Klageschriften gegen sie füllen eine bedeutende Bibliothek. Wir muthen nicht allen diesen Gegnern zu, ihre ultima ratio fei: daß Judenblut vergossen werde und Szenen sich erneuern, wie sie zur Zeit der tiefsten Barbarei vorfielen. Es waltet manchmal auch der fromme Wahn ob, man hebe die eigene Partei, je mehr man die andere beschimpft. Wir wollen dieses nicht weiter untersuchen. Was aber an den Wortführern als sträflich anerkannt werden muß, ist: daß sie gegen das Judenthum sprechen und schreiben ohne es zu kennen. Was würde man wohl von Jemanden sagen, der die Kirchenvater oder irgend ein beliebiges profanes Werk, blos aus der Uebersetzung einer Anthologie kennend, die vom Parteistandpunkte angefertigt wurde, beurtheilen und verurtheilen würde? Und ein solcher Vorgang findet gegen jüdische Schriften statt. Es ist notorisch, daß der größte Theil dieser Berserker die Bibel in der Ursprache schwer lesen und kaum verstehen, den Talmud aber gar nicht kennen. Der Talmud hat wiederholentlich die Feuerprobe bestanden. Wäre das Werk von dem Geiste erfüllt, welchen die Gegner aus Unkenntniß demselben zumuthen; wahrlich, es wäre längst von all den Folianten kein Blatt mehr übrig. Wenn das Werk allen Anfeindungen zum Trotze bis auf den heutigen Tag sich erhalten hat und jetzt wie vor Jahrhunderten ungeschwächt seine Macht auf Geister und jGemüther übt, so liegt schon darin die Bürgschaft, daß der Talmud nicht jene schauderhaften Lehren und Grundsätze enthält, die ihm seine Feinde mit überschwänglicher Fantasie andichten. Wenden wir uns von der unerfreulichen Erscheinung ab und kehren wir uns wieder der Wirksamkeit Ferdinands II. für die Juden zu. Der Friede war zu jener Zeit geschwunden, der dreißigjährige Krieg wüthete. Der Krieg wurde durch den Krieg geführt. Die neueste Zeit hat trotz ihrer Humanitätsprinzipien den Krieg um nichts menschlicher gemacht. Die Waffen sind