Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1860
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 229 (sequence 227)
- Language
- German
- Belongs to
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230 rechtigt und eben so ehrenvoll, wie den großen Banquier, der von seinem eomfortable und elegant eingerichteten Comptoir über Millionen disponirt. Gegenwart und Zukunft haben mannichfaches Unrecht, das gegen Juden in Gesinnungen, Wort und That verübt wurde, zu sühnen. So klein der Kreis war, auf welchem die Juden ihre Kraft erproben konnten, waren sie überdies gezwungen in den Ghettis zu bleiben, und wenn sie außer denselben sich bewegten, mußten sie jüdische Abzeichen tragen. Außerhalb dieser Gesetze stand eine große Anzahl derjenigen, denen Privilegien zu Theil wurden, überdies aber die sogenannten „Hofjuden." Es scheint die Zahl derselben nicht klein gewesen zu sein und waren sie die Agenten der Regierung. Zur Zeit des Krieges haben sie die ersprießlichsten Dienste geleistet, denn sie waren die Säckelmeister des Staates. Diese Hofjuden genossen besondere Privilegien, die wir später näher bezeichnen werden. Eigenthümlich bezüglich des Ghetto ist die damalige Stellung der Juden in Wien. Sie wohnten bekanntlich da, wo heute der Judenplatz ist und in dessen Umgebung, wie es scheint unter der christlichen Bevölkerung. Es fehlte auch da wie anderswo nicht an Neid und Scheelsucht. Mancher Spießbürger mochte wohl glauben, daß sein Geschäft blühender dastehen würde, wenn die Juden entfernt würden. Die Regierung, in Geldverlegenheit, wollte dieses Moment benutzen.*) Man verlangte im Jahre 1620 von den Kaufleuten in Wien 20,000 fl. und wollte ihnen dafür die Begünstigung gewähren, die Juden auszutreiben; zu gleicher Zeit verlangte man von den Juden dieselbe Summa mit der Zusage, daß sie ferner Verbleiben könnten. Die Juden verblieben weiter in Wien; wir wissen nicht, wie die Frage geschlichtet wurde, ob beide Theile oder nur einer derselben die Summa erlegt hat. Später *) Hurter Geschichte Ferdinands II. l|8. Bd. p, 39.