Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1860
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 226 (sequence 224)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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227 heißt „ausvervrsachen derjenigen Prediger, so daselbst wohnen. So seynt auch diese Prediger in allen ihren öffentlichen Sermonen und Predigen wider die Juden also ergist, daß sie khein abscheih nehmen zu melden, daß die iezt wehrenden Kriegsleuff (aus göttlicher Straff) sich vmb deswillen erzeugen, weilen die Juden nit allein zu Hanaw sondern auch andern Orten des heyligen römischen Reichs gelitten werden." Kaiser Ferdinand wendet sich hierauf an den Grafen zu Hanau und verlangt*), daß die Verfügung getroffen werde, „damit besagte unter seinem gepiett wohnhafste Judenschast wieder Ihre Privilegien nit beschwert und keine occasion zu aufwiglung des gemainen Volkhs bey diesen ohnedies gefährlichen Leuffen gegeben werde." Trotz des damals herrschenden Vorurtheils, als würden die Juden den Krieg verschulden, wie man sie für Pest und Seuche verantwortlich machen wollte, nimmt sich der Kaiser der schwer Bedrängten und Bedrohten an. Bedenkt man, daß ein Kaiser, der ein glühender, eifriger Katholik war, in solcher Weise für die Rechte der Juden eintritt und gegen die Prediger, die Judenhetzen organisiren, auftritt, so wird man ihm die gebührende Anerkennung nicht versagen. Die Nahrungsquellen der Juden waren mannigfach verstopft; sie waren von allen Gewerben ausgeschlossen. Ihren Lebensunterhalt mußten sie sich durch den Handel verschaffen, welcher ebenfalls für sie sehr beschränkt war. Außerdem war es ihnen gestattet Interessen von dem Gelde zu nehmen, das sie liehen und zwar 8% wenn ein Pfand unterlegt wurde, und 10 o/o' ohne Pfand. Erwägt man, daß das kanonische Recht den Christen verbot Interessen zu nehmen; erwägt man ferner, daß der Handel zu allen Zeiten des Geldes bedurfte, so ergibt sich daraus der Nutzen, welchen die Juden dem 0 S. Beilage VI. 15