Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1860
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 223 (sequence 221)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3138070-3138071-3138072--0223-3138313- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
224 äußern Form und Gestalt sich stets gleich und wurde es mannigfach von der Strömung der Zeit beeinflußt. Wir erinnern nur daran, daß der Talmud bereits angibt: die Namen der Hngel haben die Juden den Babyloniern abgelernt. Wie sehr das Hellenenthum die Juden influenzirte ist bekannt, und haben sich griechische Namen, welche die hervorragendsten Talmudisten trugen, bis auf den heutigen Tag erhalten. Dem Kenner des römischen Rechtes wird es auf den ersten Blick klar, daß der Talmud römische Rechtsgrundsätze und Ausdrücke mannigfach adoptirt hat. Aber das Judenthum hat selber stets gewählt, was es aufnehmen wollte. Wenn man ihm etwas von außen aufdrängen wollte, wenn man ihm religiöse Veränderungen befahl; war das Streben vergeblich. Ströme von Blut, taufende Opfer, die in den Gräbern ruhen, oder deren Gebeine in freier Luft gebleicht sind, bezeugen dieses. Die Zeiten der Makkabäer, des Kaisers Hadrian, die spanische Inquisition und die kleinen Nadelstiche in der neuern und neuesten Zeit zeigen zur. Genüge, daß die Juden sich nichts von außen haben aufdringen lassen, was nicht im vornhinein im Judenthume selbst gelegen ist. mit dem es sich amalgamirte. Wir verkennen nicht den guten Willen der Regierungen, der öfters bei diesen Jnfluenzirungen obwaltet. Es sind manchmal die besten Absichten, die das. Einschreiten hervorrufen; aber die Ansichten in außerirdischen Kreisen über das Judenthum sind nicht immer die richtigen, überdies wechseln sie häufig mit den Personen in deren Wirkungskreis diese Angelegenheiten fallen. Es ist heute nicht nothwendig den Beweis zu führen, daß das Judenthum keine staatsgefährlichen Tendenzen habe; daß jüdische Lehre und jüdisches Gesetz auf den Grundsäulen der Welt: auf Liebe, Wahrheit und Gerechtigkeit gebaut sind. Die Behörden können also ganz ruhig über die Entwicklung im Judenthume sein. Dem Judenthume selber aber erwächst kein Nutzen daraus, wenn äußere Einflüsse in peremptorischer Weise