Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1860
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 222 (sequence 220)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3138070-3138071-3138072--0222-3138312- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
223 dem er kanonische Gesetze umging. Ebenso hat er die Rechte der Einzelnen nach besten Kräften gewahrt. — Es ist nicht unsere Ausgabe zu untersuchen wie so es kam, daß Ferdinand, der eifrige Katholik, der die Protestanten so sehr bedrückte, gegen die Juden, denen die Zeit im allgemeinen nicht günstig lächelte, sehr milde gesinnt und gestimmt war. Uns genügt es zu wissen, daß er, die damaligen Verhältnisse in Rechnung gebracht, sehr günstig gegen die Juden war. Wir werden im Verlaufe der Darstellung viele Schattenseiten auszuzählen haben; wir beginnen daher mit einer Lichtseite jener Epoche, die in neuester Zeit da und dort sich trübte. Die Juden waren in ihren innern Angelegenheiten und insbesondere in ihren religiösen Institutionen vollkommen autonom, und haben nach eigenem Gutdünken ihre religiösen Angelegenheiten geleitet und geordnet, ohne daß sie von außen in irgend einerWeise influenzirt wurden. — Wenn auch seit Konstantin dem Baue neuer Synagogen Hindernisse in den Weg gelegt wurden: um das, was in den Synagogen vorging, kümmerten sich die Behörden nicht, obschon zeitweilig Denunzianten und Ueber!äufer Nachforschungen und Untersuchungen hervorriefen. Den Regierungen war es gleichgiltig, ob die Juden gewissermaßen resormatorisch oder orthodox waren, oder wie die Schlag- und Stichwörter jener Zeit hießen. Das innere religiöse Leben war frei und unangetastet. Wir müssen diesen Punkt näher in Betrachtung ziehen, denn in neuester Zeit wurde oft dagegen gesündigt, ohne daß die Anstrengungen den gewünschten Erfolg gehabt hätten. Wir behaupten nicht, daß das Judenthum unabhängig von äußern Einflüssen ist; das Judenthum hat sich nie nach außen abgeschlossen und hat stets an dem Aufschwünge und dem Streben der Zeit Theil genommen: alle Zeiten geben Zeugniß dafür. Das Judenthum blieb auch nicht in seiner