Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums · 1860-01-01 · Heft 1 · p. Seite 159

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
Volume
1860
Issue
Heft 1
Date
1860-01-01
Page
Seite 159 (sequence 160)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
99% known words query
IRI
…/3138070-3138071-3138072--0162-3138252
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

160 Chananel geboren ward, und Schemarja ben Elchanan nach Kahira gelangten und als ausgezeichnete Gelehrte bedeutende Schulen in diesen Städten stifteten. So heilsam die Verpflanzung der Wissenschaft an den Usern des Euphrat nach Nord-Afrika und Süd-Europa auf das Judenthum in den entferntesten Reichen auch wirkte, so ging doch mit ihr und der Auflösung des Mittelpunktes die letzte Einheit verloren. Jedes Land errichtete eigene Schulen, jede Schule bildete einheimische Männer aus und jede bedeutende Gemeinde wählte aus diesen, vom Lehrer mit einer Fähigkeitserklärung Entlassenen, einen geistlichen Führer, der den Titel Rab oder Dajan erhielt, während der gewöhnliche Gelehrte, namentlich in brieflicher Anrede, Mar genannt wurde. (Raschi zu Ber. 16 b.) Da jeder Rabbiner dasselbe Recht besaß, einen Schüler oder Freund für befähigt zu erklären, und jede Gemeinde dieselbe Freiheit, nach Belieben einen Mann an die Spitze zu stellen; so ist mehr zu bewundern der wenige Mißbrauch, der von dieser Gesetzlosigkeit gemacht wurde, als der Streit, der bei ungünstigen Wahlen stattgefunden. Es wurden selten untüchtige Männer autorisirt und noch seltener gewählt. Dennoch mißfiel diese Willkühr den Großen, die den Mangel einer Weihe um so tiefer fühlten, je mehr sie durch Geist und Wissen an Ordnung sich gewöhnt, und je mehr sie diese Ordnung bei andern Völkern in den verschiedenen Ländern wahrgenommen hatten. Mose ben Maimon sprach es vorsichtig aus, bald als gesetzlich*) zulässig, bald als zweifelhaft,**) daß durch eine Versammlung der Gelehrten in Jerusalem die Weihe wieder hergestellt werden könnte. Doch seine Aeußerung blieb damals ein frommer Wunsch, und selbst später, als der in Palästina aus Fes eingewanderte Jacob be Rab (gest. 1546) zuerst sich hatte weihen lassen, sodann wiederum Andere, viel- *) Kommentar zur Mischn« Sanh. 1, 1. **) Jad ha-Chasaka Sinh. 41, 11.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.