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Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums · 1860-01-01 · Heft 1 · p. Seite 84

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Journal
Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
Volume
1860
Issue
Heft 1
Date
1860-01-01
Page
Seite 84 (sequence 88)
Language
German
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85 Wie auch das Taufunwesen auf Mallorca wüthete und welchen Triumph Ferrer dort auch feierte, die Juden hatten sich als Gemeinde dennoch erhalten; sie besaßen noch zwei Synagogen und über sechszig Thorarollen38). Das hierüber unwillige Volk stürzte sich in seiner Glaubenswuth auf beide Gotteshäuser und zerstörte sie beide an einem Tage; zu ihren religiösen Versammlungen wurden ihnen einige Zimmer in einem Thurme angewiesen, welcher noch vorhanden ist und den euphonischen Namen Torre del Amor (Liebesthurm) führt. 1435 brach nun endlich das ihnen von dem edeln Duran prophezeiete Unglück über sie ein. Es begann mit derselben Lächerlichkeit, welche unzählige Male bis aus unsere Tage hinab benutzt wurde', das unwissende und leichtgläubige Volk gegen die Juden zu hetzen. Man sprengte das Gerücht aus, daß sie in der Charwoche einen Mauren, den Diener eines Juden, ergriffen, ihn gekreuzigt und alle Qualen hätten erdulden lassen. Der Bischof Gil Sanchez Muüoz wurde von dieser — Dichtung unverzüglich benachrichtigt. Er ließ auf der Stelle zwei Juden, die ihm als die Urheber des Verbrechens bezeichnet waren, in Ketten schlagen und den maurischen Sclaven, der trotz Kreuzigung und Marter noch am Leben war, in Sicherheit bringen. Die Juden verwandten sich für ihre unschuldiger Weise eingekerkerten Genossen bei dem Vice-Gouverneur der Insel, Juan Desfar, welcher auch wirklich ihre Freilassung unter dem Vorwande verlangte, daß die Juden Eigenthum des Königs und nicht der Kirche wären, daß es folglich ihm, als dem Stellvertreter seines Monarchen, zukäme, sie zur Strafe zu ziehen. Nach einem acht Tage währenden Streite zwischen geistlicher und Das Schreiben des Königs an Ferrer ist datirt von Lerida, 20. November 1413. 37) LInt, I. o. 301. Vgl. Simeon Duran, RGA. III, lb. 38) Znnz, Ritus, 44.

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