Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1860
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 85 (sequence 89)
- Language
- German
- Belongs to
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86 weltlicher Macht, gab der Bischof endlich nach und entließ die Juden am 6. Mai der Hast. Waren sie frei? Keineswegs; es war nur ein Wandern vom Episcopal-Gefängniß in das des Staates. Mehrere Tage verflossen, ehe der Gouverneur Anstalten traf, sie in Verhör zu nehmen. Das Volk erhob ein lautes Murren; allgemein hieß es, die reichen Juden hätten ihn durch ihr Gold zu bewegen verstanden, ein so „schreckliches Verbrechen" unbestraft zu lassen; seine „Justiz sei eine mit Gold besetzte und für Gold feile Justiz". Die Geistlichen schleuderten von den Kanzeln herab ihre Verwünschungen auf das Verfahren des Statthalters und reizten in ihren Predigten den Pöbel gegen ihn.und seine Schützlinge, die Juden, auf. Die Worte der Geistlichkeit zündeten. Der wilde Haufen stand auf dem Punkte, die Judengassen zu überfallen; dem Gouverneur blieb, um dieses zu verhüten, nichts anderes übrig, als die Sache sofort zur öffentlichen Verhandlung zu bringen. Er bildete einen Rath aus dem Vicar, den Geschworenen der Insel, dem Bürgermeister der Stadt, einigen Beichtvatern, vier Dottoren der Theologie, unter ihnen der Inquisitor Antonio Murta, und mehreren Staats-Procuratoren^). Dieser vorwiegend aus Dominicanern und Franeiscanern zusammengesetzte Gerichtshof eröffnete unter Vorsitz des Gouverneurs seine Sitzungen. Man spannte einen der eingekerkerten Juden auf die Folterbank; der Jude bekannte Alles, was man von ihm wünschte und nannte alle Diejenigen als Mitschuldige des Verbrechens, deren Namen man ihm vorlegte: sechszehn seiner unschuldigen Genossen waren bereits gesanglich eingezogen worden, acht andere schmachteten wegen Streitigkeiten, die unter ihnen selbst vorgefallen waren, im Kerker. Ein unerwartetes Ereigniß unterbrach den Lauf der Verhandlungen. Ein elender Mensch, der jüdische Handelsmann 39) Mut, 1. c. 302 ff.