Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1860
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 26 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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26 sein, dazwischen liegt nichts. Er muß die Weheklage des Unglücklichen anhören, welchem man das letzte Gewand, das zur Beschützung seiner nackten Kinder vor Kälte dienen sollte, (der Steuer wegen), weggenommen hat; er muß das Jammern der Wittwe ertragen, welcher man den letzten Sohn als Soldaten abführt; er muß die Verfolgung der Reichen aushalten, wenn irgend etwas ihre entfernten Verwandten bei Einziehung der Abgaben und anderer Pflichtzahlungen berührt. Die Reichen finden überall dienstwillige Beschützer; er muß fich der Verfolgung der Regierung unterwerfen, wenn er, aus Erbarmen mit seinen ärmeren Brüdern, glaubt, die alte Plünderung des Pächters der Fleischabgabe*) hemmen zu können, welcher Knochen statt Fleisch und noch dazu um den doppelten Preis verkauft. Befitzt der Kahalsmann ein Herz, so unterliegt er täglichem Gram; hat er statt des Herzens einen Stein im ^Lusen, so verbindet er fich mit den Drängern und füllt sich die Taschen. Er ist ein Räuber oder ein Märtyrer, sage ich. Zum Glück, oder vielmehr Unglück, gehörte ich zu letztern. Was ich aushielt und erduldete, weiß der Allsehende Gott allein! Die Entfernung der Ebräer von Landstädten und Dörfern, die Beschränkung derselben in Betreff der Gewerbe, der Ansiedelungs- und ähnlicher Rechte, haben bei der Vermehrung der Volkszahl unter ihnen schreckliche Armuth erzeugt. *) In jeder Gemeinde wird der Verkauf des Koscher-Fleisches für eine bedeutende Summe verpachtet. Diese Pacht soll angeblich auf Schulen verwendet werden. Aber dies geschieht nicht. Die Behörden bemächtigen sich des Geldes unter allerlei Verwanden. — Das Fleisch sieht dadurch in doppeltem Preise, und die Aermern erhalten das schlechteste. Pächter und Beamte verbinden sich zu den Himmelschreiendsten Mißbräuchen. Es giebt kaum eine Einrichtung, welche den Gemeinden so zur Schmach gereicht, wie diese grausame Belastung her unentbehrlichen Nahrung, die einem wahren Raubsystem preisgegeben wird. D. Uebers.