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Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums · 1860-01-01 · Heft 1 · p. Seite 24

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Journal
Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
Volume
1860
Issue
Heft 1
Date
1860-01-01
Page
Seite 24 (sequence 28)
Language
German
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24 darf man, sage ich, unter uns tüchtig ausgebildete Leute nicht suchen; aber darum ist doch völlige Unwissenheit, ein gänzlicher Mangel an Kenntnissen, bei uns eine Seltenheit. Mehr oder weniger haben doch viele von uns etwas gelernt, man braucht sich nicht zu schämen , wie die Ebräer sagen, mit ihnen zu verkehren, das heißt, sie sind genügend ordentliche Leute,. mit jüdischer Gesinnung, immerhin beschränkt, versteht sich, dadurch, daß sie von europäischer Bildung noch sehr fern sind, wie übrigens auch viele andere, die weit höher stehen und in weit günstigern Verhältnissen sich befinden, z. B. Beamte' und Gutsbesitzer. Natürlich, von Ausnahmen spreche ich nicht. Ich hatte um mich einen kleinen Kreis, bestehend aus sogenannten Autodidakten oder Selbstlehrern. Wir kamen öfters zusammen, sprachen von jüdischer Literatur, welche in den letzten Zeiten in den Grenzländern große Fortschritte machte, und von neuern deutschen und polnischen Werken. Russische Schriften kamen bei uns selten vor; doch verstehen die meisten bei uns russisch, besonders die, welche mit der Regierung in gerader Geschäftsverbindung stehen, wie die Pächter, deren Verwalter, die Lieferanten und die Vollzieher der. Dienst-Verbindlichkeiten. Ich war glücklich im Kreise meiner kleinen Familie und meiner Freunde; die Zeit verstrich uns unter den gewerblichen Beschäftigungen und jenen friedlichen Zusammenkünften bei einem von uns, wo obscure, unbekannte Ebräer mit einander von den interessanten Fragen sprachen, welche im Reiche der Wissenschaften und der Literatur an den entferntesten Enden Europas auftauchten. — Unsere Stadt und die zu ihr gehörigen Ortschaften genossen offenbar einigen Wohlstandes, allerdings nur, je nachdem die periodischen Maßregeln der Stadt- oder Landesobrigkeit es zuließen, für welche ein Ort, wo Juden wohnen, ein einträgliches Erbgut bildet. Brauche ich euch davon etwas zu erzählen? Es wird auch, meine ich, bei euch so sein. Leider ja, erwiderte ich.

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