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Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums · 1860-01-01 · Heft 1 · p. Seite 19

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
Volume
1860
Issue
Heft 1
Date
1860-01-01
Page
Seite 19 (sequence 23)
Language
German
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19 fache Stühle an beiden Seiten des Tisches, und drei oder vier andere an der Wand; in einem Winkel des Zimmers stand ein hoher, hölzerner Kasten unter Schloß, worauf jetzt der Mantel und die Mütze, lag, und an der Wand gegenüber hingen Soldaten-Montirung, Portepee und Degen. Ich ging an die Bücher und durchmusterte sie; sie bestanden aus einigen geschichtlichen Abhandlungen in polnischer Sprache, und einigen deutschen und hebräischen Bänden philosophischen Inhalts. An den Tisch mich setzend, nahm ich ein deutsches Buch heraus und blätterte darin, es war Jerusalem von Mendelssohn. Ihr seid hier mein erster Gast, sprach der Soldat, mir ein Glas Thee reichend und schwermüthig lächelnd; gesegnet sei euer Kommen! Ich murmelte einen gewöhnlichen Dank. Ihr durchblättert meinen Mendelssohn, fuhr er fort, sich mit seinem Glase zu mir setzend. Ach! diese wenigen Bücher sind mein wahrer Trost. Ich würde den Verstand fast verlieren, wenn sie nicht da wären. Ja, Bücher ersetzen die Gesellschaft in der Einsamkeit, bemerkte ich, leicht erröthend , daß mir wiederum eine abgedroschene Phrase entfallen war. Der Alte achtete hieraus nicht. Man wollte mir auch die- - feit Trost rauben, fuhr er fort, wehmüthig mit dem Kopf schüttelnd, — Vieles, ja alles habe ich verloren, Familie, Namen, Vermögen. Er begann die Hände lebhaft zu bewegen; sein Gesicht drückte Schauder und Verzweiflung aus. Wer hat euch eurer Bücher berauben wollen? sprach ich, absichtlich suchend seine Gedanken von grausamern Verlusten abzulenken. Er kam wieder zu sich. Sei dem, wie ihm wolle, antwortete er. — Auf einer Fahrt — unsere Schaar ging langsam, sehr langsam — hiel- 2*

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