Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1860
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 18 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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18 es nicht von euch, und gebt mir die Hand, als Zeichen eurer Zustimmung. Er ergriff meine Hand und drückte sie mit Innigkeit. Ich danke euch, sprach er, — der Gram überwältigt mich in der That. Ich bin hier fremd und bleibe wirklich überall fremd. Wer sollte mit einem Menschen in grauem Mantel umgehen? Eure Theilnahme rührt mich, aber ich bedauere eure Jugend; die Bekanntschaft mit mir bringt euch keine Freude, und die Jugend ist ein so vergängliches Geschenk des Himmels, daß es eine Sünde wäre, sie ohne Noth in Trauergewand zu hüllen. Ich merkte, daß ich mich in meinen Muthmaßungen nicht geirrt hatte und ich wirklich einen gebildeten Mann vor mir sah. Darüber seid nur ruhig, antwortete ich; — früher oder später ist der Mensch gezwungen, sich mit der Schattenseite des Lebens bekannt zu machen; was mich betrifft, je früher desto besser, denn wenn ich dadurch etwas von meiner Jugend einbüße, so wird die reife Frucht daraus desto mehr Vortheil bringen. Wir sprachen bereits einige Zeit über dieses Thema,, als die Wirthin, mit der Theemaschine eintretend, unser Gespräch unterbrach. Ihr werdet nicht anstehen, eine Tasse Thee mit einem einfachen Soldaten zu trinken? sprach der Alte aufstehend. Statt aller Antwort drückte ich ihm die Hand. Während er sich beschäftigte, das Geschirr abzuwaschen und zum Thee alles vorzubereiten, ging ich einigemal durchs Zimmer und machte mich mit diesem bekannt. In demselben war kein überflüssiger Hausrath. An einer Wand stand ein Bett mit Matratze und ledernem Kissen; zu Häupten des Bettes ein kleiner runder Tisch, auf welchem der Wirth jetzt den Thee bereitete; an der andern Wand stand ein langer Tisch mit Büchern, wovon ich schon oben einen Wink gab; zwei ein-