Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1860
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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20 ten wir cm bei einem Kreisstädtchen. Der Hauptmann eines Znvaliden-Kommandos mit Majorsepaulette, kam heran, uns neugierig anzusehen; er erblickte mein Ränzchen mit Büchern, schrie mich an und schlug nach mir: „Was, verfluchter Jud, denkst du mit Büchern dich herum zu schleppen, noch dazu mit deutschen und polnischen? er muß ein Empörer sein, ganz gewiß ein Empörer." Er warf meine Bücher hin, trat darauf mit Füßen und schrie nach dem Offizier, sie mir wegzunehmen, ihn scheltend, daß er Nachsicht hätte mit Verräthern und in kaiserliche Fuhren aufrührerische Schriften mitzunehmen gestattete. Wie endigte das? fragte ich. Mit Verlaub, der Offizier unsrer Schaar, antwortete der Soldat, gehorchte dem Major nicht; und dieser hatte wirklich sich in die Sache zu mischen kein Recht. Gott gebe ihm Gesundheit; er war ein braver Mann, unser Compagnie- Hauptmann. Auf der ganzen Reise behandelte er mich bescheiden und war sehr freundlich. Gott sei Dank! es giebt doch, wie man steht, noch gute Menschen in der Welt. Ja. Uebrigens wurde ihm bei meiner Abreise noch an Ort und Stelle vergolten, daß er mit mir gut verfuhr. Was liegt daran? ich bin ihm Dank schuldig. Ein Andrer nimmt auch, vergißt es aber bald und bleibt ein Wolf. Ich bin ihm dafür verpflichtet, daß ich die Bücher bei mir behielt. Bisweilen wenn ich die Vergangenheit mir tns Gedächtniß zu rufen anfange , reißt der Schmerz mein Herz in Stücke, dann fasse ich nach einem Buch und erscheint sich gleichsam legen zu wollen; obwohl, die Wahrheit zu sagen, ich oft nicht weiß, was ich lese; meine Gedanken schweifen ab, weit weg. Sein Haupt sank hier zum Busen herab. Ja, Mendelssohn war ein großer Mann, fuhr er sinnend fort; sein Jerusalem, heilender Balsam für meine schrecklichen