Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1860
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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11 feit das Schicksal meines Volkes an, der Ebräer (Juden), deren Trübsale in meiner Seele mächtigen Widerhall fanden. Bekannt mit der Geschichte meines Volkes von dem undenklichen Alterthum an bis in die neuesten Zeiten, durchlief ich oft in Gedanken den Weg, den es so lange schon verlassen hat; ich wollte dessen gegenwärtige, trostlose und unnatürliche Lage ergründen. Ich suchte eine Antwort auf die Frage: Woher rührt denn bei diesem Volke der nicht beneidenswerthe Vorzug, welcher darin besteht, daß für die Schuld eines Einzelnen die ganze Gesammtheit einstehen muß, daß für das Vergehen eines Einzelnen allesammt mit Schmach und Verachtung gebrandmarkt werden? Ich fand keine Antwort, weder in der jüdischen Geschichte, noch in den Sitten der Juden, noch in meinem eigenen Herzen. Indeß war das ein Aufflammen meirier heißen Natur; die Jugend nahm das Ihrige; mir war wohl, ich schritt vor auf dem breiten Weg des Lebens; Kummer und Noth lagen mir noch fern, ich trank die Freuden der Jugend und des sorgenlosen Lebens aus vollem Kelche. Weder Träumereien und Vergnügungen, noch das ernstliche Mitgefühl, noch die flüchtigen Neigungen hinderten mich jedoch die Handelsgeschäfte meines Vaters zu besorgen, welche nur täglich eine oder zwei Stunden in Anspruch nahmen. Es schmeichelte meiner Selbstliebe, daß mein Vater, ein strenger und einsichtsvoller Mann, mir, dem kaum 20jährigen Jüngling, so weit von sich entfernt, die Leitung wichtiger Angelegenheiten anvertrauete, und was noch mehr ist, mit meinen Verfügungen zufrieden war. So lebte ich in Z., welches, obgleich genügend bevölkert und lebhaften.Handel treibend, noch jetzt sich wenig durch Schönheit der Häuser und Straßen und durch gemeinsame Anstalten für die Bürgerschaft auszeichnet, und um so weniger so viele Jahre ftüher sich dessen rühmen konnte, als noch viele Fragen, welche heute zu dem täglichen Brod gehören, in tiefem Schlaf ruheten, eingelullt durch Ausrufungen über allenthalben