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Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums · 1860-01-01 · Heft 1 · p. Seite 10

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Journal
Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
Volume
1860
Issue
Heft 1
Date
1860-01-01
Page
Seite 10 (sequence 14)
Language
German
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10 die Ursache, daß ich die schmerzhaften Bilder tief im Herzen, verschloß und mich fürchtete, sie oft zu erwecken. Ich weiß nicht, ob ein Anderer an meiner Stelle anders verfahren möchte. Da ich nicht im Stande bin, die Bedingungen zu mildern, unter deren Einfluß sich Vorgänge bildeten, welche Herz und Seele empören. Vorgänge, welche fast Niemand bemerkte, außer Diejenigen, für welche die Worte Mensch und Bruder eine wirkliche Bedeutung haben, so begriff ich. daß jeder heftige Ausbruch von meiner Seite nichts weiter erzeugen würde, als einen dicken Tropfen Gift für mich, ohne Andern einen Nutzen zu bringen. Jeder Tag brachte neue unerquickliche Erscheinungen; neuer Gram verdrängte den alten und ward der Reihe nach vergessen, weil statt seiner ein anderer eintrat. Wozu also mich abquälen? Wozu mich peinigen und mich zwecklos zu Grunde richten? Aber jetzt, da die Gegenwart so lichtvolle Gestalten annimmt, da mein Herz (und wahrscheinlich Las Herz Vieler) sich erholen darf, von jener Spannung, in welche das tägliche Schwanken es versetzt hKtte, fange ich an mich krank zu fühlen an den früheren Wunden. So fühlt ein' des Reifens nicht gewohnter Wanderer, welcher eine weite Strecke auf einem elenden Karren gefahren ist, erst nach einem ruhigen Schlaf und einiger Erholung am erreichten Ziel seiner Reise, wie seine Gebeine und Gelenke zerschlagen sind. Eine meiner Erinnerungen solcher Art will ich nunmehr meinen Lesern vorführen; vielleicht kommen der Reihe nach noch mehrere andere. Ich war in Geschäften meines Vaters in der Gubernialstadt Z. Damals war ich noch sehr jung, das Leben lächelte mir zu; meine Munterkeit und mein heiterer Sinn malten mir Alles in den schönsten Farben. Aber die Art meiner Erziehung und mein unlöschbarer Durst nach Büchern entwickelten in mir die Denkkraft, und ich grübelte manchmal mehr als mir dienlich war. Stärker als alles zog meine Aufmerksam-

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