Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1860
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1860-01-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Gulden, welchen viele Hunderte armer deutscher Lehrer, aufgefordert ihre Papiere einzusenden, um das Schulwesen der Juden in Rußland umzuschaffen, erlitten. Die Klamme erlosch. Es kamen mehrere Staatsmänner bereits damals, von dem edelsten Willen beseelt, nach Deutschland, um sich persönlich von den unleugbaren diesseitigen Fortschritten zu überzeugen und die Grundlagen derselben in die Heimath zu verpflanzen. Wir hatten eine umständliche Unterredung mit einem Staatsrath D..., der unterdeß gestorben ist, über die Angelegenheit, welche das Ministerium ernstlich beschäftigte. Aus allem ergab sich, daß man nur Schwierigkeiten erblickte, und zur eigentlichen That nicht Entschlossenheit genug besaß. Wenige Jahre daraus — 1845 oder 46 — erschien ein Staatsrath aus Südrußland, Ch... genannt, ein hochgebildeter Mann, der auch deutsch geläufig sprach, und uns mittheilte, er sei, obwohl nicht von der Regierung beauftragt, doch von dem lebhaften Wunsche beseelt, für die Verbesserung der Gesetzgebung und der Zustände, so weit lein Einfluß reiche, mitzuwirken. „Ich war, sprach er, einer der heftigsten und entschiedensten Gegner aller Verbesserungspläne der Regierung, und habe bei allen Berathungen, an denen ich theilnahm, mich in diesem Sinne ausgesprochen. Halten Sie mich aber nicht deshalb für einen Menschenfeind. Ich beklagte vielmehr stets den Jammer, in welchem Ihre Glaubensgenossen in unserm Lande schmachten. Aber der moralische Zustand derer, welche auf meinen Gütern leben, etwa 500 Familien, hatte mir die Ueberzeugung aufgedrungen, daß alle Maßregeln an dieser gänzlichen Berderbtheit scheitern. Die Masse ist so tief gesunken und dabei so eng unter einander verbunden. daß selbst im Einzelnen nichts zu erhoffen sein dürfte. Die Zeit allein könne hier helfen, meinte ich. — Allein