Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1860
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1860-01-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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IV schon im Beginn des Jahrhunderts, namentlich unter der Regierung des hochgesinnten Alexander I. aufgestellten Grundsätze über die gesetzliche Behandlung der Ebräer (deren Zahl im nordischen Reiche mehr als ll/a Millionen Seelen beträgt) nach manchen vergeblichen Versuchen, die niemals mit Ausdauer durchgeführt worden, von Zeit zu Zeit neu auftauchen, und Maßregeln in's Leben rufen, die dem Zwecke nicht recht entsprachen. Man griff das Uebel nicht an der Wurzel an. Seit 1840 wurden wir, so wie viele andere Schriftsteller Deutschlands, welche sich aus diesem Gebiete einen Namen erworben hatten, von russischen Staatsmännern mit vertraulichen Anfragen beehrt, um über die geeignetsten Mittel, die eingewurzelten Verhältnisse für die Dauer zu bewältigen, Gutachten abzugeben. Wir alle haben uns dabei überzeugt, daß auch Kaiser Nikolai in Beziehung auf die Judenfrage, obwohl seine Rathgeber sie mehr von Seiten der Polizei einerseits und des Militärwesens andrerseits als vom Standpunkte der Staatsleitung im Allgemeinen und, der Staatsökonomie insbesondere betrachteten, den Fortschritten der Zeit gern Rechnung trug; aber Alles, was geschah, war nur das Erzeugniß einzelner Anregungen, theils bittender Vorstellungen, theils gehässiger Anklagen, — nichts Allgemeines und Durchgreifendes. Das Gute ward nicht ausgeführt, die Mißbräuche gelangten nicht zur Kunde des großen Herrschers, die politischen Ereignisse bedeckten Alles, was sonst in den Niederungen vorging. Zeitungsleser erinnern sich des Strohfeuers, welches unter dem Ministerium Uwaroff, angezündet durch einen jungen Deutschen, welcher als Sekretär nach Petersburg berufen ward, und die Aufmerksamkeit des Ministeriums mit Recht vornehmlich auf das Erziehungswesen hinlenkte, eine kurze Zeit aufflackerte. Der ganze Rest davon bestand in einem Portoverlust von mehreren Tausend