Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921-1921)
- Issue
- 6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 125 (sequence 133)
- Language
- German
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125 Absichten geleitet. Man könne ihm deswegen auch nichts anhaben, dass er in seinen Berechnungen irrte.“ Saadjas Behandlung der erwähnten Stellen im Danielbuche ist uns erhalten in seinem Werke אמונות ודעות das er im Jahre 4693 verfasste. Aus seinen Berechnungen geht hervor, dass die Zeit um das Jahr 4725 (965 d. g. Z.) als Endtermin für die Erlösung zu bezeichnen wäre.1) Aber unter den Grossen unseres Volkes war es nicht nur Saadja, der scheinbar den Mahnruf תיפח עצמן וכר nicht beachtete. Kein geringerer als Raschi ist es, der in seinem Kommentar zum Danielbuche die Prämissen der Berechnungen Saadjas erwähnt und dieselben zugründe legt für eine andere Berechnungsweise. Diese führte Raschi dazu, statt des von Saadja angegebenen, bereits mehr denn ein Jahrhundert zurückliegenden Zeitpunktes, die Zeit um das Jahr 5114 (1354 d. g. Z.) als ״das Ende“ zu bezeichnen. Ungefähr anderthalb Jahrhunderte später war es der berühmte Nachmanides, der die Zahl 1290 (Daniel XII, 11) benützte, um ״das Ende“ zu berechnen, indem er allerdings von einem ganz anderen grundlegenden Orientierungspunkt ausging, und zwar von dem bekannten Ausspruch des תנא דבי אליהו im Talmud (Sanhedrin 97 a), welcher so zu verstehen ist, dass 6000 Jahre der jetzigen, von Menschen bewohnten Erde in drei Perioden zerfallen. Die 2000 ersten Jahre herrschte in bezug auf Gotteserkenntnis noch das Chaos. In den 2000 darauf folgenden Jahren (von Abrahams Auftreten bis zum Untergang des zweiten Tempels) herrschte vorzugsweise der himmlische Lichtschein der Gotteslehre. In den 2000 letzten Jahren ist das Kommen des Erlösers vorgesehen. ג) Isak Abravanel nennt irrtümlich auch Saadja unter denen, die für ״das Ende“ das Jahr 5118 in Betracht zogen.