Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921-1921)
- Issue
- 6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 124 (sequence 132)
- Language
- German
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124 Annahme des Mohammedanismus gezwungen waren, und ein falscher Messias noch mehr Verwirrung unter den dortigen Juden anzurichten drohte, zumal es nicht an Astrologen dort fehlte, die dem Auftreten des Messias das Horoskop gestellt hatten. In dem grossen Bedrängnis hatte sich nun R. Jacob Alfajumi aus Jemen mit einem Schreiben an Maimonides gewandt und von ihm Rat und Belehrung über manches erbeten. Unter anderem hatte er auch die Tatsache berührt, dass eine Autorität wie der Gaon Saadja sich mit der Berechnung der messianischen Endzeit befasst hatte. In seiner sehr ausführlichen Antwort hat Maimonides sich über diesen letzten Punkt ungefähr folgendermassen ausgesprochen. ״Das Ende wirklich zu berechnen ist keinem Menschen möglich; Daniels eigene Aussage beweist es. Unsere Propheten haben bereits vorhergesagt, dass es Einzelne geben wird, die sich mit diesen Berechnungen vergebens befassen werden; sie haben zugleich davor gewarnt, uns durch das Fehlschlagen solcher Berechnungen entmutigen zu lassen, und uns ans Herz gelegt, der endlichen Erlösung immer entgegenzuharren. Darum haben unsere Weisen sich davon ferngehalten das Ende zu berechnen, weil das Volk irre werden könnte durch die Enttäuschung, wenn der Erlöser zur angegebenen Zeit nicht erschiene, und aus diesem Grunde baten sie förmlich, dass der Geist solcher Berechner erschlaffe und ihre Rechnungen zunichte werden. (תיפח רוחן וכר) R. Saadja sei aber zu entschuldigen, dass er das Ende berechnete, trotzdem er wusste, dass es verboten ist. Denn es sei anzunehmen, dass unter seinen Zeitgenossen derartige Ansichten herrschten, dass das Schlimmste für die Erhaltung der Thora zu fürchten gewesen wäre, hätte er nicht durch seine Enthüllungen und Berechnungen des Endes ihre Hoffnungen gestärkt. Saadjas Handlungen waren immer von den heiligsten