Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921-1921)
- Issue
- 6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 123 (sequence 131)
- Language
- German
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123 für das Gegenteil bringe, da es doch im Talmud heisst: ״Möge der Geist derjenigen schwinden, welche die messianischen Endzeiten berechnen‘6 (תיפח רוחן של מחשבי קיצין) — Darauf bemerkte der Papst, er habe bereits früher von diesem Ausspruche Kenntnis gehabt, jetzt möchte er gerne die Erklärung wissen. Hierauf erwiderte R. Mattisjahu: ״Wir haben nur die einfache Erklärung, dass derjenige mit Fluch bedroht wird, der Rechnungen anstellt und daraufhin aussagt, wann der Messias kommt. Solches zieht nämlich einen grossen Schaden nach sich für das Volk, denn wenn der angegebene Zeitpunkt eintrifft und der Messias erscheint nicht, wird die Hoffnung aufgegeben in den Herzen derjenigen, welche der Erlösung entgegenharren.“ Auf diese Rede des R. Mattisjahu (der noch ein weiteres Argument vorbrachte) wurde der Papst sehr zornig und fragte mit einem heftigen Ausfall auch gegen die Talmudweisen, ob von Daniel, der doch die Endzeit des Messias berechnet, gesagt werden dürfe, ״sein Geist möge schwinden“. Es war Don Vidal Benvenisti, der — nachdem Don Todros Alconstantini durch eine abwehrende Bemerkung betreffs der Talmudweisen den Zorn des Papstes noch mehr erregt hatte — den Papst beschwichtigte und zuletzt ausführte: ״dass mit dem Ausdruck מחשב im Hebräischen derjenige bezeichnet wird, der vermittelst Berechnungen etwas Erdachtes herausbringt, dass aber der Prophet oder der, welcher vom heiligen Geiste erfüllt ist, kein מחשב sondern רואה d. h. Seher genannt wird, da er im prophetischen Geiste Wahrhaftes schaut.“ Auf den Ausspruch des R. Jonathan hatte auch Maimonides (um das 13. Jahrhundert) sich bezogen in seinem Sendschreiben nach Jemen, wo viele Juden zur