Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921-1921)
- Issue
- 6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 122 (sequence 130)
- Language
- German
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122 demjenigen, der harrt und erreicht der vollen Zeitabschnitte tausend dreihundert fünf und dreissig.“ Es ist einleuchtend, dass diese Zeitangaben und Zahlen keine sichere Handhabe für irgendwelche Erklärung bieten. Daniel selbst, der um Aufklärung bat, erhielt die Antwort: ״Verschlossen und versiegelt sind diese Dinge bis zur Zeit, da das Ende gekommen sein wird.“ Und dennoch haben von den ersten Zeiten an nach der Zerstörung des zweiten Tempels jüdischerseits die Versuche nicht aufgehört, diese dunkeln Worte des Danielbuches zu beleuchten und die darin enthaltenen Zeitangaben und Zahlen näher zu bestimmen. Es hat den Anschein, wie wenn schon in frühester Zeit Protest dagegen erhoben wurde. Wir lesen nämlich im Talmud (Sanhedrin 97 b), dass Samuel b. Nachmani, im Namen des R. Jonathan, der im Anfang des dritten Jahrhunderts lebte, eine an die Worte Chabakuks (II, 3) geknüpfte Mitteilung tradierte, welche lautet: תיפח עצמן של מ.חשבי קיצץ וכף ״ —Möge die Kraft derjenigen schwinden, welche die messianischen Endzeiten berechnen; sprechen sie doch: da das Ende herbeigeführt wurde und der Erlöser nicht gekommen ist, so kommt er überhaupt nicht mehr.“ Es war eben dieser Ausspruch des R. Jonathan, der im Anfang des 15. Jahrhunderts zur Schutzwaffe wurde in der Hand der hart bedrängten spanischen Thoragrössen, als sie in Anwesenheit des Papstes Clemens XIII, der Bischöfe und Kardinäle, in Tortosa Rede und Antwort stehen mussten dem als Geronimo getauften jüdischen Apostaten Josua Halorqui, der ihnen aus dem Talmud beweisen wollte, dass der Messias schon gekommen sei. Nachdem der Disput schon tagelang gedauert hatte, stellte R. Mattisjahu Hajizhari aus Saragossa dem Geronimo die Frage, warum er nicht, statt aus dem Talmud beweisen zu wollen, dass der Messias schon gekommen sei, einen Beweis