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Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz · 1921-01-01 · 6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921) · p. Seite 115

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Journal
Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
Volume
6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921-1921)
Issue
6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921)
Date
1921-01-01
Page
Seite 115 (sequence 123)
Language
German
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115 mit dem Tiere gemeinsam ist. Wenn die Quelle der Religion Vernunft ist, so wird zunächst der Instinkt abgewiesen, der eine Intelligenz bedeutet, die Tier und Menschen gemeinsam ist. Die Religion aber dürfte ein Unterscheidungsmerkmal des Menschen vom Tiere sein. Daher ist alles, was lediglich Naturtrieb ist, nicht als Urkraft der Religion anzuerkennen. . . . Die Religion wird weder durch den primitiven Instinkt hervorgetrieben, der das Dunkel, die unfreie Schranke geradezu begehrt. . . noch durch den triebhaften Impuls, eine Urgewalt zu fordern und anzusetzen . . . um vor ihr sich niederzuwerfen; die Religion hat mit solchen Antrieben des Instinktes nichts gemein: ihr Ursprung ist die Vernunft. Mit dem Instinkte werden aber auch alle die andern Zugkräfte der Sinnlichkeit abgewiesen. Alles, was mit Lust und Unlust zusammenhängt, kann nicht als positiver Beweggrund der Religion gültig sein. Lust und Unlust sind die Blutzeugen des animalen Lebens; an ihren Spuren entsteht nicht die Vernunft. Die Religion der Vernunft erhebt Einspruch gegen alle vermeintliche Selbstheit, gegen alle angeblichen Grundkräfte des Ich, welche in Lust und Unlust wurzeln. Alle animale Selbstsucht und Selbstliebe, aller Eudämonismus, der nur in der Lust das Kriterium der Rechtmässigkeit anerkennt, aller Materialismus, der nur in Soll und Haben, im Geben und Vergelten das Wesen des Menschenlebens anerkennt, wird durch die Vernunft beseitigt. ... Es widerspricht der Vernunft, dass die Religion nur ein Zufallsgebiet der Phantasie wäre, oder von deren Verbindung mit den Triebkräften des Affektes. Es widerspricht aber auch der Vernunft, dass die Religion nur ein Zufallsgebiet wäre, die aus den Zusammenhängen und Gegenwirkungen der sozialen Kräfte und ihre Erscheinungsformen hervorgegangen wäre. . . . Die Religion der Ver-

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